Wolf Lepenies

Die Macht am Mittelmeer

Französische Träume von einem anderen Europa
Cover: Die Macht am Mittelmeer
Carl Hanser Verlag, München 2016
ISBN 9783446247321
Gebunden, 352 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Der Plan schien perfekt: Präsident Sarkozy wollte seine südlichen Nachbarn für eine Mittelmeerunion gewinnen, um ein Gegengewicht zur deutschen Dominanz in Europa zu etablieren. Angela Merkel wusste das zu verhindern. Für Wolf Lepenies ist dies keine zeitgeschichtliche Fußnote. Der französische Traum von der Macht am Mittelmeer führt in die unbewussten Regionen der europäischen Geschichte. Die Rivalität zwischen Deutschland und Frankreich greift Ideen und Stereotypen auf, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen und heute wieder politischen Diskussionsstoff liefern. Man muss sie kennen, wenn man verstehen will, wie sich in Europa Koalitionen und Frontlinien bilden.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.03.2016

In seinem Buch "Die Macht am Mittelmeer" beschreibt der Berliner Kultursoziologe Wolf Lepenies die Geschichte des Traums von einer Mittelmeerunion, die zuletzt von Nicolas Sarkozy als Parallelstruktur zur EU in Angriff genommen worden war, allerdings nicht sehr erfolgreich, erklärt Peter Schöttler. Eine Union der Anrainerstaaten ist kein neuer Gedanke, erfährt der Rezensent, sondern lässt sich bis ins antike Griechenland zurückverfolgen. Die völkerpsychologische Vorstellung einer eigenen, südlichen Mentalität, die sich von jener des kalten Nordens grundsätzlich unterscheidet, erlaubt die Idee einer gemeinsamen Identität, auch wenn ihr oft genug Klischees zugrunde liegen, meint Schöttler, der sich für diese Theorien überhaupt nicht erwärmen kann, das Buch darüber jedoch mit Interesse gelesen zu haben scheint.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2016

Kaum jemand ist besser geeignet, das Hin- und Her von Ideen- und Realpolitik zu entwirren, als der Soziologe und Historiker Wolf Lepenies, befindet der hier rezensierende Politikwissenschaftler Claus Leggewie. Auch in seinem neuen Buch "Die Macht am Mittelmeer" beweist Lepenies einmal mehr seine enge Verbundenheit zum französischen Geistesleben, fährt der Kritiker fort, der hier nachliest, wie unter Frankreichs Führung südliche und nördliche Mittelmeeranrainer zu einem Kerneuropa zusammengeführt werden sollten. Zwar bedauert Leggewie, dass der Autor Ansätze zu einer künftigen Mittelmeerpolitik nur andeutet, aber allein die pointierten Anekdoten und wunderbaren Exkurse, etwa zu Hannah Arendts Reflexionen über eine von einer Mittelmeerunion abhängigen Möglichkeit einer jüdisch-arabischen Föderation, lohnen schon die Lektüre, verspricht der Kritiker, der dieses kenntnisreiche Buch mit Gewinn gelesen hat.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2016

Für die Idee einer Mittelmeerunion hat Günther Nonnenmacher nur Spott übrig, egal ob in Form einer europäischen Koalition des Südens, einer Union der Latinität oder eines europäisch-afrikanischen Zusammenschluss. Frankreich als Führungsmacht des Südens? Das ist für den FAZ-Herausgeber allenfalls "Literatenspinnerei". Wolf Lepenies locker um das Thema herum versammelten Aufsätze bestätigen Nonnemacher in seiner Ansicht. Interessant findet er unter diesen verschiedenen gelehrten Abhandlungen vor allem, wie Lepenies die innerfranzösische Teilung in einen lateinischen Süden und germanischen Norden beschreibt. Er hat aber auch Neues erfahren über die Latinität zur Zeit der europäischen Diktaturen, über die Saint-Simonisten oder Hannah Arendts Vorstellungen einer mediterranen Union des Friedens.
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