Aus dem Polnischen von Gisbert Haefs und Klaus Staemmler. Witold Gombrowicz, 1904 als Sohn eines polnischen Landadligen geboren, wurde 1939 auf einer Schiffsreise nach Buenos Aires vom Ausbruch des Krieges überrascht - und blieb vierundzwanzig Jahre in Argentinien, das für ihn zur zweiten Heimat wurde. In den posthum veröffentlichten Polnischen Erinnerungen erzählt Gombrowicz von seiner Jugend auf dem Land und seiner komplizierten Beziehung zum intellektuellen Leben Warschaus. Die Anekdoten über die Vorkriegszeit, einige seiner weniger bekannten Texte, tragen entscheidend zum Verständnis seines Werks bei. In den Argentinischen Streifzügen beschreibt Gombrowicz das Land und seine Bewohner. Sein entlarvender Blick auf Menschen und Natur machen die Berichte zu einer ganz eigenen Form von Reiseliteratur. Seine wichtigsten Werke schrieb Gombrowicz in polnischer Sprache, aber er verfasste auch Texte für argentinische Zeitschriften auf Spanisch, die in diesem Buch zusammengestellt wurden. Unmittelbar vor dem geistigen Auge entsteht eine eigenwillige Schriftstellerpersönlichkeit, deren Werk in der Literatur des 20. Jahrhunderts einzigartig ist.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 18.07.2026
Zwei lesenswerte Textsammlungen sind in diesem Buch neu aufgelegt, freut sich Rezensent Jörg Plath. Die ursprünglich 1959 bis 1961 entstandenen Texte Witold Gombrowicz' beschäftigen sich einerseits mit den Erinnerungen des Autors an Polen, das Land, in dem der 1904 geborene bis 1939 lebte, und andererseits mit Argentinien, wohin er dann auswanderte und wo er 24 Jahre lang lebte. In den Texten über Polen erzählt Gombrowicz von einer behüteten Jugend in einer exzentrischen Familie, es geht außerordentlich komisch zu, neben wildem Klamauk kann der Autor aber auch präzise Analysen, versichert der Kritiker, dem auch gefällt, dass Gombrowicz nicht versucht, die Eigenheiten seiner Jugend mit der historischen Lage zu erklären: so habe der Leser mehr Freiheiten. Als eher "leichte Kost" beschreibt Plath hingegen die Argentinientexte, die ihn freilich dennoch mit geschmeidigen Passagen zum argentinischen Nationalcharakter und tolle Naturbeschreibungen beeindrucken. Das "scharfzüngige, leidenschaftliche und schonungslos auch gegen sich selbst formulierte" Buch hat Plath insgesamt ausgezeichnet gefallen.
Rezensent Marko Martin liest Witold Gombrowiczs Ende der 1950er Jahre entstandenen, jetzt wiederaufgelegten Erinnerungen mit Freude. Die spürbare Freiheit des Autors macht ihn direkt glücklich, auch wenn die "Kippmomente" in Grobrowiczs Biografie und die Fragilität seines Ruhms für ihn sehr deutlich werden. Ausschlaggebend für Martins Freude ist u. a. das Vorgehen des Autors, seinen Freiheitsbegriff mit der Geschichte Polens zu verbinden und die europäische Zivilsation unabhängig von den (gerade) Herrschenden und ihren Doktrinen zu betrachten. Auch Gombrowiczs Spott gefällt Martin gut, und wenn der Autor östliche und lateinamerikanische Mentalitäten vergleicht (Gombrowicz lebte lange in Argentinien), findet Martin das erhellend und bereichernd, vor allem aus "ostdeutscher" Sicht. Das Vorwort von Olaf Kühl hält Martin für instruktiv.
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