Klappentext

Aus dem Polnischen und mit einem Nachwort von Esther Kinsky. Miron Białoszewski war 21 Jahre alt, als er am 1. August 1944 das Haus in der Warschauer Innenstadt verließ, um seiner Mutter Brot zu besorgen und mitten hineingeriet in das heroischste und tragischste Kapitel der polnischen Geschichte. Während die sowjetischen Truppen an die Außenbezirke der Hauptstadt heranrückten, riefen die Anführer der polnischen Untergrundarmee zum Aufstand gegen die deutsche Besatzung. Was sich in den 63 Tagen bis zur Niederschlagung in der Stadt abspielte, hält sein Buch fest: wie mit einer literarischen Handkamera geschrieben - nah dran, in verwackelten, abgerissenen Sätzen, das Stakkato der Gewehrsalven, die fliehenden Schritte aufnehmend, schildert er Episoden aus dem Alltag einer kämpfenden und sterbenden Stadt. Die Leser sind unmittelbar dabei, laufen mit ihm durch die Stadt, kreuzen die deutschen Linien, weichen Heckenschützen aus, sinken erschöpft und außer Atem an einer Mauerecke zusammen, retten Verwundete, begraben Tote. Zwischen dem Jetzt der unmittelbaren Gegenwart und den späten 60er Jahren, der Zeit der Niederschrift, hin und her springend, gelingt ihm ein unübertroffenes literarisches Dokument. Ein Buch über die Ermordung einer Stadt, das zeitlose Gültigkeit besitzt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 03.09.2019

Eindringlich erlebt Rezensent Wolfgang Schneider mit diesem Buch die Zerstörung Warschaus durch die deutsche Wehrmacht. Der Lyriker Miron Białoszewski schildert in seinen Erinnerungen den Warschauer Aufstand von 1944, an dem er als Zivilist, nicht als Kämpfer der Heimatarmee  beteiligt war. Białoszewskis gewollt ungeschliffener Text vermittele "Chaos und Untergang", betont Schreiber, denn für den Dichter war das Vergangene "keine runde Sache, sondern ein Scherbenhaufen, ein Gefetze". Kein Wunder also, dass diese Erinnerungen 1970 in Polen in zensierter Form erschienen. Sie passten weder zum heroischen Selbstbild der Heimatarmee noch zur Propaganda der Sowjetunion, deren Truppen von der östlichen Weichselseite aus der Vernichtung der Stadt und ihrer Bewohner tatenlos zusahen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 30.07.2019

Zeitlos findet Rezensent Michael Kuhlmann Miron Bialoszewskis Erinnerungen an den Warschauer Aufstand. Dass der Bericht nun in ungekürzter Form erscheint, findet Kuhlmann wichtig. Die Todesangst des Gejagten in den 63 Tagen des Aufstands vermittelt der Text dem Rezensenten eindringlich, militärische Einzelheiten dagegen nicht. Die Annäherung von Esther Kinskys Übersetzung ans gesprochene Deutsch sieht Kuhlmann kritisch, möglicherweise geht sie auf Kosten der Genauigkeit oder der Eindringlichkeit, vermutet er. Über die Überlieferungsgeschichte des Textes hätte der Rezensent im Buch gern mehr erfahren.