Aus dem Englischen übersetzt von Rainer G. Schmidt. "Der Wind hatte die ganze Nacht über mächtig geblasen, und ich erwartete stündlich, dass der hin und her schwankende, sturmgeplagte alte Dampfer, in dem ich mich zum Rio Negro eingeschifft hatte, ein für alle Mal umschlagen und unterhalb dieses fürchterlichen Aufruhrs der Wasser zur Ruhe kommen würde. Denn das ächzende Geräusch seines schwer arbeitenden Rippenwerks und die wie ein überfordertes menschliches Herz pochende Maschine hatten mir das Schiff als ein lebendiges Wesen erscheinen lassen; und es war müde, sich zu mühen, und unterhalb des Tumults war Frieden. Doch gegen drei Uhr morgens schwächte sich die steife Brise allmählich ab, und ich zog Mantel und Stiefel aus und warf mich in meine Koje, um mir eine Mütze Schlaf zu holen..."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.11.2007
Als faszinierenden Autor, den es nicht nur hierzulande auch nach hundert Jahren noch zu entdecken gilt, preist Hans Christoph Buch den in englischer Sprache schreibenden argentinischen Nationaldichter W.H. - für William Henry beziheungsweise Guillermo Enrique - Hudson. Hudson war Ernest Hemingways erklärter "Lieblingsautor", ein Mann, der sich Joseph Conrad geistesverwandt fühlte, wenngleich er, anders als dieser, nie zur See fuhr. Der Natur und darin vor allem den Vögeln aber fühlte auch Hudson sich verbunden, der für Stubengelehrte und Autoren häuslicher Bürgerlichkeit wenig übrig hatte. Die Schrift "Müßige Tage in Patagonien" ist laut Buch ein meisterliches Ding zwischen den Kategorien, eine ornithologische Betrachtung, zugleich aber auch ein "philosophischer Essay". Der Müßiggang des Titels, der für den Autor so untypisch klingt, verdankt sich denn auch einer, wenngleich etwas danebengegangenen Tat. Buch erzählt in seiner engagierten Empfehlung des Autors, wie sich Hudson aus Versehen mit dem Revolver ins Knie schoss und so über die Vögel, das Leben und den ganzen Rast für einmal aus liegender Perspektive räsonnieren musste.
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