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Jutta Ditfurth

Ulrike Meinhof

Die Biografie
Cover: Ulrike Meinhof
Ullstein Verlag, Berlin 2007
ISBN 9783550087288
Gebunden, 480 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Ulrike Meinhof ist Kriegskind und kommt aus einer sehr deutschen Familie. Schon in der Pubertät steht sie in Opposition , hört Jazz, spielt Schlagzeug und überwirft sich mit ihrer Pflegemutter. Die Adenauer-Ära politisiert sie: Ulrike Meinhof wird Atomgegnerin, frühes SDS-Mitglied und tritt in die verbotene KPD ein. Als Journalistin erregt sie Aufsehen mit ihren scharfen politischen Analysen und ihrem sozialen Engagement. Nach einem Abstecher in der Hamburger Medienschickeria entscheidet sie sich für den politischen Kampf an der Seite der APO. Warum kehrt die angesehene Konkret-Chefredakteurin dem bürgerlichen Leben den Rücken? Warum nimmt sie 1970 an der spektakulären Befreiung des inhaftierten Andreas Baader teil? Warum lässt sie sich von palästinensischen Guerilla-Kämpfern ausbilden, plant Attentate und verübt Banküberfälle? Diese Biografie gibt Antwort auf die Frage, wer Ulrike Meinhof wirklich war.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.07.2008

Scharf ins Gericht geht Rezensent Jochen Staadt mit Jutta Ditfurths Biografie der Journalistin und späteren RAF-Terroristin Ulrike Meinhof. Das Buch zeugt für ihn vor allem von der "Anverwandtschaft und Verehrung" der Autorin für Meinhof. Ditfurth beschränke sich in ihrer Darstellung auf "Einfühlung in das Selbstverständnis ihrer Heldin". Zwar attestiert Staadt der Autorin, den "Erlebnis- und Denkhorizont" Meinhofs zu rekonstruieren. Aber dies geschieht seines Erachtens in einer Weise, die der Autorin von vorherein den Blick auf kritische Einwände verstellt. Interessant findet er die Schilderung des historischen Kontexts um 1968. Hier zeigt die Autorin für ihn überzeugend auf, dass die RAF auf die breite Unterstützung von linken und linksliberalen Kreisen bauen konnte. Demgegenüber kritisiert er die schönfärberische Darstellung der DDR als Rückzugsgebiet der RAF und die Aufwärmung der 70er Jahre Mythen über Isolationshaft, systematische Folter von RAF-Gefangenen und die angebliche Ermordung Meinhofs. Generell vermisst Staadt die kritischen Töne. Zudem hält er der Autorin vor, immer wieder unzulässig zu vereinfachen und Tatsachen, die nicht in ihr Bild passen, einfach unter den Tisch fallen zu lassen. Sein Fazit: eine "linke Polit-Schmonzette über Ulrike gegen den Rest der bösen Welt".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.11.2007

Die frühere Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth macht dem Rezensenten Willi Winkler in ihrer Biografie Ulrike Meinhofs vor allem deutlich, wie tief Meinhofs unmittelbare Umgebung in die NS-Vergangenheit verstrickt war. Sie deute die Wendung der bekannten Journalistin in den Terrorrismus nicht zuletzt auch als Revolte gegen ihre Ziehmutter Renate Riemeck, die bei Nazigrößen studierte und Assistentin des SS-Obersturmbannführers Johann von Leer wurde, der versuchte, den Antisemitismus auch wissenschaftlich zu untermauern, erklärt der Rezensent. Nach Ditfurth ist die terroristische Karriere Meinhofs also doppelter Widerstand, nämlich gegen den unterlassenen Widerstand gegen die Nationalsozialisten der vorigen Generation und gegen ihren herrischen Vormund, so Winkler, dem diese Argumentation offenbar ganz plausibel erscheint.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.11.2007

Als Kontur eines bisher nicht vorhandenen Gesamtbildes lobt Rezensentin Barbara Sichtermann Jutta Ditfurths Meinhof-Biografie - mit deutlichem Respekt vor dem Fleiß, der Recherche und  dem Dokumentationsfuror der Biografin. Daraus ergibt sich für die Rezensentin ein sehr authentisches Bild, wird Ulrike Meinhofs Weg in den Terrorismus als Konsequenz der Politik der Adenauerrepublik in den fünfziger und sechziger Jahren dargestellt und nachvollziehbar gemacht, weshalb das Buch Ulrike Meinhof aus Sicht der Rezensentin erstaunlich gerecht geworden ist. Allerdings zahle die Autorin für die "unleugbare Kohärenz" mit der sie Meinhofs Weg in den Terror aus den Verhältnissen in der Bundesrepublik ableite, einen Preis: Denn sie dämonisiere diese Verhältnisse und ignoriere infolgedessen "die Lernfähigkeit und liberale Flexibilität" des demokratisch verfassten Staates ebenso wie damals schon ihre Protagonistin. Deren Tragödie ist aus Sicht der Rezensentin nämlich gerade diese Verkennung gewesen. Und auf diesem Auge erweise sich nun auch ihre Biografin ähnlich blind. Dies aber ermöglichte ihr auf der anderen Seite eine große Nähe zum Gegenstand ihrer Erforschung, was für die Rezensentin zu den herausragenden Qualitäten des Buchs gehört.