Bettina Röhl

So macht Kommunismus Spaß

Ulrike Meinhof, Klaus Rainer Röhl und die Akte Konkret
Cover: So macht Kommunismus Spaß
Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2006
ISBN 9783434506003
Gebunden, 677 Seiten, 29,80 EUR

Klappentext

"So macht Kommunismus Spaß" ist die Geschichte von Ulrike Marie Meinhof, Klaus Rainer Röhl und ihrer Zeitschrift "konkret" von den frühen Jahren der Bundesrepublik bis zum Beginn der Jugend- und Studentenrevolte von "68". Die Journalistin Bettina Röhl erzählt die Lebensgeschichten ihrer Eltern, die sich 1958 bei den Aktionen "Kampf dem Atomtod" kennen lernten und fortan zusammenarbeiteten. Entlang den Aufzeichnungen in einer Akte aus DDR-Beständen, der Akte Konkret, in der die illegale West-KPD mit Sitz in Ostberlin die Treffen mit Ulrike Meinhof und Klaus Rainer Röhl protokollierte, dokumentiert sie den Aufstieg der Zeitschrift "konkret" von ihrem Start in den Fünfzigern bis zu ihrem Durchbruch in den sechziger Jahren, als sie zu der meistgelesenen Studentenzeitschrift avancierte. Zugleich beschreibt sie das politisch-gesellschaftliche Umfeld, das diese Erfolgsgeschichte begünstigte. Darüber hinaus legt sie die Biografie Ulrike Meinhofs vor, die als Schülerin und Studentin, Journalistin, Ehefrau und Mutter durch zahlreiche bisher unveröffentlichte Briefe und Dokumente selbst zu Wort kommt.
Ulrike Meinhofs "erstes Leben", so zeigt dieses Buch, war bis 1968 kein Präludium für spätere Fehlentwicklungen, wie häufig impliziert wird. Bettina Röhl führte zahlreiche Interviews mit Marcel Reich-Ranicki, Fritz J. Raddatz, Johannes Rau, Bahman Nirumand.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.08.2007

Instruktiv findet Rezensent Jochen Staadt diese Doppelbiografie über Ulrike Meinhof und Klaus Rainer Röhl, die Bettina Röhl verfasst hat. Das auf zahlreichen Akten, Briefen und Aussagen von Zeitzeugen basierende Buch behandle insbesondere die ersten 34 Lebensjahre Meinhofs, die Zeit also, die sie politisch prägen sollte. Staadt berichtet über Meinhofs Studium in Marburg beim SED-nahen Hochschullehrer Wolfgang Abendroth, ihre Hinwendung zum Kommunismus, Röhls und Meinhofs Fahrten in die DDR, die Subventionen für ihre subversive Hamburger Zeitschrift "konkret" zahlte. Die Zeit des Terrorismus kommt dagegen nur kurz auf den letzten Seiten des Epilogs zur Sprache, was Staadt zu der Vermutung veranlasst, möglicherweise werde ein zweiter Band folgen. Respekt äußert er für die Leistung der Autorin, merkt er dem Buch doch den Aufwand an Recherchen, Energie und Herzblut an, den es verschlungen hat. Deutlich ist für ihn, dass Bettina Röhl hier - trotz aller Bemühung um Historisierung - auch das "zutiefst verletzende Erlebnis einer enttäuschten Tochterliebe" verarbeite.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.05.2006

Nicht unbedingt viel Neues aber doch nahezu alles könne man hier über die Zeitschrift "Konkret" erfahren, lobt Rezensent Alexander Gallus, und dazu noch gut geschrieben. Auch etwaige Befürchtungen, als Tochter des Herausgebers Klaus Rainer Röhl könnte Bettina Röhl ein "ärgerliches" Buch vorlegen, sei völlig unbegründet. Gleichwohl, so der Rezensent, sei das Buch aus verständlichen Gründen eine "Melange" aus historischer Betrachtung und autobiografischer Bewältigung der eigenen Familiengeschichte. Für den Vater, den "ewigen Spaßmacher", hege die Autorin weit mehr Sympathie als für die ideologische Mutter Ulrike Meinhof. Als besonders wichtigen Wendepunkt in der Geschichte der Zeitschrift hebt der Rezensent das Jahr 1963 hervor, als KPD und SED ihren monatlichen Scheck wegen notorisch antikommunistischer Artikel stornierten. Aus der Finanznot heraus hat die Zeitschrift vor allem ein ideologischer Schwenk jenseits von Ost-West geführt, nämlich Peter Rühmkorfs Ratschlag, nicht weiter "links am Lustprinzip vorbeizusegeln". Erst 1973, so der Rezensent, sei der Kommunismus im Heft dann wieder zu einer ernsten Angelegenheit geworden.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.04.2006

Rudolf Walther arbeitet in seiner Besprechung von Bettina Röhls Buch über ihre Eltern Ulrike Meinhof und Klaus Rainer Röhl eine ganze Reihe von Beanstandungen ab. Walthers gravierendster Kritikpunkt ist der Mangel an Neuigkeiten, die Röhl zu bieten habe. Aus Röhls Eigenrecherche kann Walther nur eines schlussfolgern: "Wie banal und nichtssagend Aktenfunde sein können." Nahezu sämtliche Fakten hat Walther nach eigenem Bekunden schon einmal gelesen, vorwiegend in Klaus Rainer Röhls eigenem Buch "Fünf Finger sind keine Faust" von 1974. Bei vielen Behauptungen Röhls vermisst Walther die Belege, dagegen findet er viele "einäugige Urteile und pauschale Unterstellungen". Bezüglich der Studentenbewegung geht die Autorin in Walthers Augen regelrecht "grobschlächtig" vor.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.04.2006

Über die "Weltgeschichte" und die Finanzierung der Zeitschrift "konkret" durch die DDR bietet jetzt das Buch der Journalistin Bettina Röhl die "überfällige Aufklärung", spöttelt Willi Winkler. Die Äußerung Röhls, ihre Eltern Klaus Rainer Röhl und Ulrike Meinhof hätten eine "Schlüsselrolle beim Aufbau des Kommunismus" in der Bundesrepublik gespielt, quittiert der Rezensent etwas boshaft mit dem Hinweis, dass "daraus nicht viel geworden" ist. Für ihn stellt das Buch ein ziemlich "witzloses Remake" des bereits 1974 von Klaus Röhl publizierten "Fünf Finger sind keine Faust" dar, das Winkler als "Meisterwerk" preist. An Bettina Röhls Buch dagegen irritiert ihn der "eigentümliche FDP-Sprech", zumal er findet, dass der Autorin vor lauter "Unterwanderungsverdacht" das große Ganze aus dem Blick gerät.
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