Uki Goni

Odessa

Die wahre Geschichte. Fluchthilfe für NS-Kriegsverbrecher
Cover: Odessa
Assoziation A Verlag, Berlin - Hamburg 2006
ISBN 9783935936408
Kartoniert, 400 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Der Name "Odessa" steht für eines der irritierendsten Kapitel der Nachkriegsgeschichte: die massenhafte Flucht namhafter NS-Kriegsverbrecher - unter ihnen Adolf Eichmann, Klaus Barbie und Josef Mengele -, die sich mithilfe eines hoch organisierten Netzwerkes der Gerichtsbarkeit entziehen konnten. Der argentinische Historiker und Journalist Uki Goni hat auf der Basis langjähriger Recherchen in US-amerikanischen, argentinischen und europäischen Archiven bisher unbekannte Quellen erschlossen und durch 200 Zeitzeugeninterviews untermauert. Seine umfassende Untersuchung zeichnet nach, auf welchen - "Ratlines" genannten - Fluchtrouten und mithilfe welcher staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen es Tausenden von Nazis, Ustascha-Faschisten und Vertretern anderer europäischer Kollaborationsregime gelang, nach Lateinamerika zu entkommen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.06.2007

Nicht immer überzeugend scheint dem "Kst" zeichnenden Rezensenten dieses Buch über die Fluchthelfer für Nazi-Kriegsverbrecher, das der argentinische Historiker und Journalist Uki Goni vorgelegt hat. Zwar bescheinigt er dem Werk Fakten und Daten in Hülle und Fülle. Auch findet er die detaillierte Schilderung des Aufbaus von Fluchtrouten, auf denen Hunderte SS-Leute, darunter Massenmörder wie Adolf Eichmann, Josef Mengele, Klaus Barbie oder Erich Priebke durch halb Europa und über den Atlantik geschleust wurden, durchaus fesselnd. Aber gerade beim Kapitel über die Rolle der Schweiz bei der Fluchthilfe kommen ihm so seine Zweifel. Neben quellenmäßig nicht gesicherten Angaben kritisiert er in diesem Zusammenhang Fehlinterpretationen und den Generalverdacht des Autors, die Schweiz sei den Nazi-Schergen prinzipiell freundlich gesinnt gewesen. Diese Kritikpunkte nähren in ihm auch Skepsis hinsichtlich der wissenschaftlichen Abstützung der übrigen Kapitel.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.02.2007

Jörg Später würdigt Uki Gonis Buch über die Fluchthilfe für NS-Kriegsverbrecher als "neues Standardwerk" zum Thema. Den Stil des Buchs hält er zwar für etwas pathetisch und nicht so ganz der Norm wissenschaftlicher Nüchternheit und Distanz entsprechend. Dafür scheint ihm Gonis Rekonstruktion der Geschichte der "Rattenlinie", auf der Nazi-Kriegsverbrecher wie Josef Mengele und Adolf Eichmann oder Kollaborateure wie Ante Pavelic nach Argentinien flüchteten, ungemein spannend zu lesen. Neben der Rolle Perons findet er darin viel Aufschlussreiches über die der alliierten Geheimdienste und der katholischen Kirche. Später fühlt sich bei der Lektüre des Buchs immer wieder an Frederick Forsyths Thriller "Die Akte Odessa" erinnert, in dem sich Nazis nach dem Krieg in Deutschland, Südamerika und Ägypten ein Netzwerk bilden und den Krieg gegen die Juden weiterführen. Und er kommt zu dem Schluss: "Goni erzählt eine Geschichte über sehr böse Männer, fast - wüsste man nicht, dass es sie wirklich gegeben hat - wie im richtigen Thriller."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.01.2007

Anke Schwarzer preist als größte Leistung dieser Studie über die Fluchthilfeaktivitäten argentinischer Institutionen für führende deutsche Nationalsozialisten die minutiösen Recherchen Uki Gonis, der sich auch durch Schwierigkeiten und Behinderungen nicht beirren ließ. Goni zeichnet in seinem Buch nicht nur die Fluchtwege der Nazigrößen und ihre Organisation nach, er stellt auch eingehend Kontakte zwischen Argentinien und Nazideutschland dar, die eine derartige Fluchthilfe erst möglich gemacht haben, und verfolgt zudem die Biografie von fünf ausgewählten Nationalsozialisten, die nach 1945 in Argentinien Unterschlupf fanden, erklärt die Rezensentin. Klar werde, dass es eine Organisation "Odessa" nie gegeben habe, ebenso deutlich arbeite Goni jedoch heraus, dass die Fluchthilfe für hochrangige Nazis nicht individuell geleistet wurde, sondern dass ein ganzes Netz von Organisationen behilflich war.
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