Der Katalog zur Ausstellung in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim 2012 ist die erste umfassende Gesamtdarstellung, die sich mit der besonderen Bedeutung von Kopf und Schädel in der Kulturgeschichte des Menschen befasst. Über 300 Exponate aus Europa und Übersee rücken Kopf und Schädel als zentrale Bestandteile des menschlichen Körpers in den Mittelpunkt und vergegenwärtigen, dass unserem Haupt immer wieder symbolische oder mythische Bedeutungen zugewiesen wurden: in Zeugnissen aus Zeiten des Neandertalers wie des Alten Ägypten, der Antike oder der Weltkulturen aller Kontinente. Schädeldeformationen, kunstvoll geschmückte Kopftrophäen, Ahnenschädel sowie verehrte Reliquien, Gefäße aus Schädelknochen oder Darstellungen in der Kunst von Leonardo da Vinci bis Damien Hirst belegen in mehr als 500 Abbildungen eine Urfaszination bis in die Gegenwart. Ein 36-köpfiges internationales Autorenteam befasst sich in seinen Beiträgen mit dem Thema "Schädelkult" aus natur-, geistes- und kulturwissenschaftlicher Perspektive.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2013
Es liegt auf der Hand, dass dem menschlichen Schädel, dem Totenkopf, in vielen Kulturen und Zeiten eine besondere Bedeutung zukam, sei sie kultischer, künstlerischer oder wissenschaftlicher Natur. Die in Mannheim und Schleswig gezeigte Ausstellung "Schädelkult" nahm sich 2012 die Aufgabe vor, einen Überblick zu bieten über die vielfältigen Rollen, die der Schädel geschichtlich gespielt hat. Begeistert hat Wolfgang Krischke den von Alfred Wieczorek und Wilfried Rosendahl herausgegebenen und um Texte von drei Dutzend Autoren aus den unterschiedlichsten Disziplinen angereicherten Ausstellungskatalog gelesen und dabei Interessantes, Kurioses, Schauriges gelernt. Erst in unserer Epoche ist das Bedeutungsfeld des Schädels auf ein modisches Accessoire geschrumpft, weil sich das Interesse, das wissenschaftliche wie das künstlerische, mittlerweile auf den Inhalt des Schädels verlagert hat, wie der Rezensent leicht enttäuscht feststellt.
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