Nicholas J. Conard, Jürgen Wertheimer

Die Venus aus dem Eis

Wie vor 40 000 Jahren unsere Kultur entstand
Cover: Die Venus aus dem Eis
Albrecht Knaus Verlag, München 2010
ISBN 9783813503760
Gebunden, 320 Seiten, 22,99 EUR

Klappentext

In einer Höhle auf der Schwäbischen Alb wurden 2008 spektakuläre Funde ausgegraben: Rund um die Venus aus dem Eis und "die älteste Ansammlung figürlicher Kunst auf der Welt" (Nature) bringen uns Entdecker Nicholas J. Conard und Literaturwissenschaftler Jürgen Wertheimer das Leben der ersten Menschen nahe: In einer Doku-Fiktion spürt Conard gemeinsam mit Jürgen Wertheimer der großen Frage nach, wie die Kultur des Menschen entstand. Ihr Buch versetzt uns zurück in die Zeit der Jäger und Sammler: Wie wohnten, jagten und überlebten die Frühmenschen? Welche Sprache, Rituale, Kulte hatten sie? Sind sich Homo sapiens und Neandertaler im Donautal begegnet?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2010

Dies ist, daraus macht der Rezensent Ulf von Rauchhaupt keinen Hehl, ein Buch, das er ziemlich seltsam findet. Die Grundidee scheint ihm dabei erst einmal reizvoll: Ein Archäologe und ein Literaturwissenschaftler tun sich zusammen zu faktengestützter Konfabulation. Die Fakten: alles, was man derzeit wissen kann über die Ursprünge der Kunst und die Begegnung von Mensch und Neandertaler vor jetzt auch schon wieder rund 40.000 Jahren. Jürgen Wertheimers in hin- und herspringenden Erzählperspektiven literarisch ausgemalte Version der Geschichte sieht es so, dass der Neandertaler friedlich und zugleich künstlerisch produktiv war. Beides zusammen aber geht nicht, befindet von Rauchhaupt. Fürs Schnitzen braucht es eine Vision und die hat eben der Krieger, als den sich Wertheimer nur den Homo sapiens vorstellen will, und nicht der Rumhocker, dem, wie man weiß, keine sonderlich lange Zukunft beschert war. Kurzum: Es bleibt der Rezensent doch ziemlich skeptisch.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.09.2010

Eine altsteinzeitliche Novelle zu schreiben, hält Christian Jostmann für einen reizvollen Versuch, besonders, wenn es wie hier unter Anleitung eines echten Prähistorikers geschieht. Dass das Projekt von Nicholas Conard und Jürgen Wertheimer misslingt, schiebt der Rezensent auf den letztlich enormen Abstand von 40.000 Jahren zwischen dem Leser und den Figuren der Novelle, ein paar demagogischen Exemplaren des Homo sapiens, die in der Schwäbischen Alb versuchen, den Neandertaler zu reformieren, und dem hier verwendeten Stilmittel des Bewusstseinsstroms. Die derart suggerierte emotionale Nähe aber kann Jostmann nicht empfinden. Und die in den Text eingeflossene Ideologiekritik erscheint ihm ebenfalls eher fehl am Platz.

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