Wilfried Hinsch

Gerechtfertigte Ungleichheiten

Grundsätze sozialer Gerechtigkeit
Cover: Gerechtfertigte Ungleichheiten
Walter de Gruyter Verlag, Berlin 2002
ISBN 9783110176261
Broschiert, 341 Seiten, 29,95 EUR

Klappentext

Bei den Auseinandersetzungen um Arbeitsmarktpolitik, Steuerpolitik, Erziehungspolitik, Meinungs- und Willensfreiheit steht immer auch die grundsätzlichere Frage zur Debatte, was wir unter "sozialer Gerechtigkeit" verstehen. In "Gerechtfertigte Ungleichheiten" werden die Grundzüge einer Theorie sozialer Gerechtigkeit entwickelt. Es handelt sich um eine egalitäre Theorie, die soziale Ungleichheit ausdrücklich zulässt, diese aber an das Vorliegen bestimmter öffentlicher Rechtfertigungsgründe bindet.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.06.2003

Wilfried Hinschs "Gerechtfertigte Ungleichheit" ist nach Ansicht von Rezensent Michael Schefczyk ein "sehr durchdachtes und lesenswertes Buch". Als "Künstlerpech" für Hinsch, der zuweilen als John Rawls' Botschafter in Deutschland bezeichnet werde, sieht Schefczyk allerdings das Erscheinen von Rawls' letztem Werk, "Gerechtigkeit als Fairness", in dem Rawls mit einigen Fehldeutungen aufräumt, die nach dem Erscheinen seiner "Theorie der Gerechtigkeit" die Runde machten. Dadurch wird für Schefczyk auch Hinschs Werk ein wenig "in Mitleidenschaft gezogen". Zwar hält Schefczyk diejenigen Teile der Arbeit, die komplexe Struktur der Argumentation bei Rawls darstellen, für außerordentlich gelungen. "Nur haben sie auf dem Markt naturgemäß dadurch an Wert verloren", findet Schefczyk, "dass Rawls' eigene Darlegung in 'Gerechtigkeit als Fairness' eben auch nicht von schlechten Eltern ist."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.03.2003

Wilfried Hinschs Abhandlung "Gerechtfertigte Ungleichheiten" bietet nach Ansicht von Rezensent Hermann-Josef Große Kracht eine "kritische Relektüre" von John Rawls Gerechtigkeitstheorie. Wie Kracht ausführt, sucht Hinsch darin vor allem Rawls Verteilungsprinzip - Ungleichverteilungen sind danach nur dann legitim, wenn sie den Schlechtestgestellten größere Vorteile bieten als eine Gleichverteilung - mittels einer demokratietheoretisch angelegten Reflexion auf den "öffentlichen Vernunftgebrauch" der Staatsbürger neu zu begründen. Ausgangspunkt dieser Begründung sei die Einsicht, dass die gesellschaftliche Grundgüterverteilung gegenüber allen Staatsbürgern öffentlich zu rechtfertigen ist. Hinsch nenne drei mögliche Gründe für legitime Ungleichverteilungen: neben bedarfsbezogenen Ansprüchen Kranker und Behinderter, könnten Ungleichverteilungen aus Leistungs- oder aus Klugheitsgründen gerechtfertigt werden. Als zentral erachtet Kracht dabei das Motiv öffentlicher Klugheit. Demnach seien all diejenigen Ungleichheiten, die sich von einem öffentlichen Standpunkt aus auch für die "am meisten Benachteiligten" als sinnvoll und vorteilhaft erweisen lassen, legitim. Mit dieser Neufassung des Verteilungsprinzip gelingt es Hinsch nach Einschätzung des Rezensenten, die lange Zeit von Utilitarismus und Vertragstheorie geprägte US-amerikanische Gerechtigkeitsdebatte an die europäische Diskurs-Tradition zu koppeln.

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