In Deutschland tut sich eine soziale Kluft auf wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Gerade mal 15 Prozent der Bundesbürger halten ihren Staat noch für gerecht. Auf der einen Seite Hartz IV, Ein-Euro-Jobs, Kinderarmut und Schrumpfrente, auf der anderen Seite schwindelerregende Gewinne und Gehälter der Konzerne und ihrer Manager. Unter Verweis auf die "Stürme der Globalisierung", denen der "Standort Deutschland" trotzen müsse, wird der Sozialstaat, Markenzeichen einer beispiellosen Erfolgsgeschichte seit den Zeiten Adenauers und Erhards, zum Abschuss freigegeben nicht nur von Arbeitgeberseite, sondern auch von der Politik. In einem Buch, das Zahlen und Fakten nennt und Wege aus der Krise weist, rechnet der Sozialdemokrat Ottmar Schreiner mit dem Versagen der Politik ab, notwendige Reformen sozialverträglich zu gestalten, auch mit den krassen Versäumnissen der eigenen Partei.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2008
So lange der Autor bloß theoretisiert, ist Stefan Dietrich beruhigt. Wären Ottmar Schreiners Visionen von "nachfrageorientierter Politik" und Invitro-Konsum allerdings Wirklichkeit geworden, so mutmaßt der Rezensent schaudernd, hätten wir in Deutschland jetzt auch eine geplatzte Immobilienblase. Als magisches Planspiel findet Dietrich das Buch allerdings durchaus unterhaltsam. Direkt verzaubert verfolgt er Schreiners Kritik an der eigenen Partei, seine Vorschläge für eine andere Sozial-, Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Rentenpolitik und die Ausblendungen mit deren Hilfe der Autor ein "soziales Skandalon" konstruiert. Die Kosten der deutschen Einheit, das Problem der Überalterung, die hohe Staatsverschuldung - bei Schreiner sind sie, wie das Kaninchen, einfach verschwunden. Wie das Kaninchen, ahnt Dietrich, sind sie aber nicht wirklich weg.
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