Werner Bätzing

Das Landleben

Geschichte und Zukunft einer gefährdeten Lebensform
Cover: Das Landleben
C.H. Beck Verlag, München 2020
ISBN 9783406748257
Gebunden, 302 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Gibt es heute noch ein Leben auf dem Land, das nicht städtische geprägt ist? Und brauchen wir in der modernen Welt überhaupt ein Landleben? Oder ist es nur noch ein romantisches Relikt aus der vergangenen Zeit? Wer das Landleben verstehen will, so der bekannte Geograph und Alpenforscher Werner Bätzing, muss Landwirtschaft, bäuerliche Kulturlandschaften, Dorfleben, Traditionen sowie die engen Verflechtungen zischen Ihnen kennen. Da das Land aber stets in einem engen Austausch mit der Stadt steht, muss er auch verstehen, welche Auswirkungen die Industrielle Revolution, die Entdeckung des Landes als "schöne Landschaft", der wirtschaftliche und demografische Wandel, die Entstehung der Konsumgesellschaft und das Erstarken des Neoliberalismus auf das Landleben besitzen - andernfalls besteht die Gefahr, das Land zu stark als Idylle wahrzunehmen. Bätzings breit angelegte und historisch fundierte Darstellung steht quer zu den üblichen Sichtweisen und lässt das Landleben in einem völlig neuem Licht erscheinen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.03.2020

Engagiert findet Rezensentin Sonja Asal das Buch des Kulturgeografen Werner Bätzing. Wie sich der Autor darin für das Landleben stark macht, findet sie lesenswert, auch wenn der Abriss über die kulturelle Entwicklung auf dem Land (mit Düngemitteln und Landmaschinen), den der Autor bietet, kursorisch ist, wie Asal feststellt, und das urbane Leben als Kontrast eher am Rand vorkommt und Bätzings Behauptung einer Komplementarität beider Lebensweisen eher Behauptung bleibt. Überzeugend findet Asal nicht zuletzt Bätzings genauen Blick auf Verklärungsmechanismen hier wie dort. Mehr hätte sie gern erfahren über die "politische Dimension" der Gräbenkämpfe zwischen Stadt und Land. Die vom Autor gemachten Vorschläge zur Aufwertung des Landlebens sieht Asal großteils bereits umgesetzt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.03.2020

Werner Bätzings Ansatz, den Unterschied zwischen wirklichem Landleben und seinen idyllischen Überhöhungen zu betrachten, gefällt Thomas Steinfeld durchaus. Der größte Teil des Buches unterrichtet überhaupt auf interessante Weise über die Geschichte der Landwirtschaft. Im übrigen Teil differenziert der Autor das Land dann zum einen als eher urbanisierte Zone, genannt "Zwischenstadt", zum zweiten als Fläche der industrialisierten Landwirtschaft, zum dritten als nicht nutzbare Natur - und schließlich als den für die Erholung der Städter vorgehaltenen, aufgehübschten Raum. Letzteren mag der Städter als seine Vorstellung von Land bevorzugen, aber hier würden lokale Strukturen ebenso zerstört wie durch Bebauung und moderne Landwirtschaft, so Bätzing, der ein Ende solcher Maßnahmen fordert. Dem Rezensenten missfällt das: Er attestiert dem Autor eine "negative und deswegen schwache" Argumentation. Gerade landschafts- und bauplanerische Autoritäten anzurufen, wie Bätzing es tue, sei ja wohl der ganz falsche Weg. Steinfeld ruft in Sachen Landrettung seinerseits lieber "Slow Food" und - Corona lässt grüßen - das "Decamerone" auf den Plan - und verbittet sich jeglichen Spott.
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