Moderne Männlichkeit ist eng mit der Geschichte der Familie verbunden, ihre Besonderheit liegt in einer spezifisch narrativen Struktur, die sich in den Erzählungen und Imaginationen des 19. Jahrhunderts verfolgen lässt. Der Autor entdeckt die verborgene(n) Geschichte(n) moderner Männlichkeiten in einer Fülle literarischer und wissenschaftlicher Texte von 1850 bis 1920: von Bachofens ?Mutterrecht? bis zur medizinischen Diskussion über Vererbung, "Degeneration" und männliche "Neurasthenie", vom europäischen Familienroman bei Zola und Thomas Mann, von der Erfindung der Psychoanalyse bis zum Mythos des verlorenen Sohnes bei André Gide, in Rilkes "Malte Laurids Brigge" und im deutschen Expressionismus. Das Zusammenspiel von Literatur- und Kulturwissenschaft, Gender Studies, historischer Familienforschung, Medizingeschichte und Erzähltheorie rückt Genealogie, Psychogramm und Erzählmuster des ?ersten? Geschlechts in den Blick.
In der Familie würden "aus Söhnen Männer und unter Umständen Väter", und die Literatur von Bachofen bis Brussig dokumentiert (oder konstruiert?) das Bild vom Vater in der Familie. Elke Brüns lobt Erharts Untersuchung als "außerordentlich beeindruckendes Buch, das nicht zuletzt durch das Entziffern der verdeckten Geschichte moderner Männlichkeit neue Erzählungen ermöglicht". Was macht Erhart? Auf der Basis einer in Europa noch nicht existierenden Wissenschaft, den Mens Studies, gehe er den Erzählungen nach, die über Vater bzw. Männlichkeit in Text und Subtext überliefert sind. Dabei schlage er den Bogen vom Matriarchatsforscher Bachofen über Fontane, Raabe, Heinrich und Thomas Mann bis zur Psychoanalyse Freuds und Lacans. Eine Geschichte der Männlichkeit und ihrer allmählichen Demontierung bzw. Neubewertung - durch den Text.
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