Aus dem Englischen von Karin Schuler. Wie sieht die ideale Frau aus? Wie sollte sie lieben, fühlen, sein? Über diese Fragen zerbrachen sich im Mittelalter vor allem Männer den Kopf. Attraktiv wie die mythische Helena von Troja wünschten sich die etablierten Denker die Frauen. Zugleich verspotteten sie "Evas Töchter" als übersexualisierte Sünderinnen - unersättlich und von Natur aus schwach. Die Historikerin Eleanor Janega stellt diesen männlichen Theorien reale Frauen gegenüber - berühmte wie Eleonore von Aquitanien und Hildegard von Bingen, aber auch solche, deren Leben in den Quellen verborgen blieben. Wir erfahren, wie die Frauen dieser Zeit wirklich lebten: Sie waren nicht nur Mütter, sondern auch fleißige Bäuerinnen, Bierbrauerinnen, Textilarbeiterinnen, Künstlerinnen, Kunsthandwerkerinnen. Als solche ebneten sie den Weg für neue Ideen über die Natur, den Intellekt und die Fähigkeiten von Frauen. Die ideale Frau zeigt, wie mittelalterliche Vorstellungen von Weiblichkeit entstanden und fragt, wie es sein kann, dass sie ihre Wirksamkeit bis heute nicht verloren haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.06.2024
Über Ideen von Weiblichkeit im Mittelalter liest Rezensent Frank Rexroth mit Interesse im Buch der Mediävistin Eleanor Janega. Unterhaltsam sind die Vorstellungen von Körperbehaarung und Libido der Frau, wie sie die Autorin wiedergibt, aber auch ihre Botschaften, findet er, die die weibliche Leserschaft auffordert, sich den Erwartungen (gestrigen wie heutigen) an Körperverständnis und Lebensweise gerade nicht zu fügen. Janega weist die Leserschaft laut Rezensent nicht nur auf die kulturelle Konditionierung solcher Erwartungen hin, sondern auch auf die inhärenten Halbwahrheiten und Paradoxien. Daneben geht es im Buch um die Arbeit der Frau in Landwirtschaft, Kunst und Handel, so Rexroth, dem dasjenige Kapitel am besten gefällt, in dem Janega ihre Betrachtungen in unsere Zeit "verlängert". Ein insgesamt lesenswertes Mittelalter-Sachbuch, auch wenn es nicht allzu viel Neues enthält, findet er.
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