Volkmar Sigusch

Freud und das Sexuelle

Neue psychoanalytische und sexualwissenschaftliche Perspektiven

Klappentext

Zeit also, von heute aus Freuds Theorien über das Sexuelle neu zu diskutieren.Volkmar Sigusch stellt dar, in welcher kulturellen und sexualwissenschaftlichen Situation Freud seine Sexualtheorie entwarf. Es folgen durchaus kontroverse Beiträge zur Frage, was heute unter kindlicher (Martin Dornes, Friedl Früh), perverser (Wolfgang Berner, Reimut Reiche) sowie weiblicher und männlicher Sexualität (Sophinette Becker, Martin Dannecker) zu verstehen ist. Peter Passett wagt eine theoretische Re-Lektüre der »Drei Abhandlungen« und Jörg Scharff erzählt eine Fallgeschichte, die den Verästelungen sexuellen Begehrens im Verlauf einer psychoanalytischen Behandlung folgt. Abschließend erklärt Ilka Quindeau, wozu die Psychoanalyse nach wie vor eine Triebtheorie braucht, und skizziert Perspektiven für ihre Neuformulierung. Freuds Sexualtheorie ist bis heute einzigartig und das Sexuelle ist nach wie vor prägend für unsere Kultur. Grund genug,sich mit beidem wieder eingehender zu befassen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.12.2005

Instruktiv findet Bettina Engels diesen Sammelband, der aus einer Tagung des Frankfurter Psychoanalytischen Instituts und des Instituts für Sexualwissenschaft der Universität Frankfurt zur Veröffentlichung von Freuds "Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie" vor hundert Jahren hervorgegangen ist. Sie begrüßt die naheliegende, aber bislang kaum geführte Diskussion dieser beiden Disziplinen über die sexualtheoretischen Grundlagen der Psychoanalyse. Die Beiträge dokumentieren für Engels, dass die Debatte über zentrale Theoreme der Freudschen Sexualtheorie wie Perversion, Trieb oder Träume die Forschung noch lange in Atem halten wird. Vor allem die Debatte "Trauma oder Trieb" findet sie in dem Band treffend widergespiegelt. In diesem Kontext erwähnt sie auch Peter Passets programmatischen Aufsatz über die "Drei Abhandlungen", der sich mit dem Unterschied zwischen kindlicher und erwachsener Sexualität befasst. Weiterhin hebt sie die Beiträge von Friedl Früh und Martin Dornes hervor, die sich mit der Frage beschäftigen, ob es legitim ist, Säuglingen und Kleinkindern überhaupt so etwas wie eine Sexualität zuzuschreiben.