Volker Braun

Werktage

Arbeitsbuch 1977-1989
Cover: Werktage
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2009
ISBN 9783518420485
Gebunden, 800 Seiten, 29,80 EUR

Klappentext

Volker Braun hat, beginnend im Januar 1977, bis in die Gegenwart ein Werktagebuch geführt. Dessen erster Band, teils kurze, teils längere Notate, erlaubt nicht allein den erhellenden Einblick in die Werkstatt des "lauteren, spielwütigen Autors". Solche Mitschriften des täglichen Lebens machen erfahrbar, wie Volker Braun sich und seine Arbeit, die Kollegen und die politische Situation - in Ost und West - sieht, wie er nach der Publikation der "Unvollendeten Geschichte" - 1975 in der DDR, 1977 in der BRD - seine Dramen zum Druck befördert und auf die Bühne bringt, wie er listig den Hinze-und Kunze-Roman zuerst in Frankfurt und dann in Halle veröffentlicht, was die im Westen so alles mit ihm anstellen, warum er 1988 das Stück "Lenins Tod" schreibt, und im Jahr 1989 der erste Band seiner Werkausgabe erscheint.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.05.2010

Großes intellektuelle Lesevergnügen gibt Evelyn Finger zu Protokoll bei diesem "ziegeldicken Arbeitsbuch" aus den Jahren 1977-1989 - ein "literaturhistorisches Fahrtenbuch aus der DDR und ihrer zweiten, endzeitlichen Hälfte", wie die Kritikerin schreibt. Die Namen der Protagonisten klingen für sie wie die Dramatis Personae eines Historiendramas, die Zensurgeschichten wie Nachrichten aus einer untergegangenen Epoche. Dennoch haben den Zeitenwechsel aus Fingers Sicht wesentliche Themen dieses Tagebuchs überdauert. Denn wenn man Volker Brauns Notate nun, ein halbes Leben später, lese, falle speziell die Zähigkeit auf, mit der dieser Schriftsteller sich von Schwierigkeit zu Schwierigkeit durchgeschlagen habe. Aus diesen mühseligen Kämpfen aber habe Braun einige "überzeitliche Prinzipien der Unvernunft" und Wahrheiten über den Anteil der Literatur an der Menschwerdung des Affen destilliert, was diese Werkstatttexte für Finger dauerhaft haltbar macht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.04.2010

Bewunderung schwingt bei Michael Braun wohl durchaus mit, wenn er Volker Braun als "störrischen" Anhänger der sozialistischen Utopie apostrophiert, der sich seinen "dialektischen Eigensinn" bis heute bewahrt habe. Von seinem nun publizierten Arbeitstagebuch, das mit der Ausbürgerung Wolf Biermanns beginnt und bis zur Wende reicht, darf man sich dann auch keine Einblicke in das private Leben des Lyrikers erwarten, macht der Rezensent klar. Es handele sich vielmehr um ein Werkbuch in Brecht'scher Manier, das sich poetologischen und politischen Erwägungen in konsequenter Kleinschreibung widme, lässt Braun wissen. Für ihn stellt dieses Arbeitsjournal nichts weniger als die "ästhetische Demonstration" eines Künstlers dar, der sich trotz seiner schwierigen und von der Zensur stets behinderten Produktionsbedingungen für das Bleiben in der DDR entschieden hat, wie der Rezensent darlegt. Am meisten haben ihn dabei die klugen Porträts von Rudolf Bahro oder Sarah Kirsch beeindruckt, als "schönste" Passage dieses Arbeitstagebuchs lobt er die Eintragungen zu Karl Mickel.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.11.2009

An sich natürlich eine faszinierende Sache, meint der Rezensent Jens Bisky über die Tagebuchnotizen und Werkberichte des Schriftstellers Volker Braun aus dem letzten Jahrzehnt der Deutschen Demokratischen Republik. Und in der Tat gibt es manch Interessantes zu lesen, über die Widerstände, gegen die auch ein hoch renommierter Autor wie Braun ankämpfen musste, oder Einsichten wie die über das strukturell begründete Versagen der DDR auf dem Gebiet komplexerer Technologie. Dies alles oft brillant und poetisch formuliert, auch dagegen hat der Rezensent nichts einzuwenden. Und ärgert sich doch, und zwar ziemlich, über dieses Buch. Weil er sich fast völlig alleingelassen fühlt mit diesen Alltagsnotizen. Namen werden nicht eingeordnet, Hintergründe nicht erklärt. Bleibt also nur die Ambivalenz: Faszinierend, aufschlussreich einerseits. Ein unnötig versiegeltes Buch für die meisten Leser zum andern.
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