Peter Rühmkorf

In meinen Kopf passen viele Widersprüche

Über Kollegen. Mit Dichterporträts von F. W. Bernstein

Klappentext

Kollegenbeschimpfungen und Lobreden von Adorno bis Zuckmayer; dazu 32 Zeichnungen von F. W. Bernstein. Der Lyriker Peter Rühmkorf war Zeit seines Lebens ein neugieriger Leser, der sich mit den literarischen Zeugnissen seiner Zeitgenossen und Vorfahren intensiv beschäftigte. Er konnte ebenso rückhaltlos bewundern wie scharf bloßlegen, warum ein Text keine Gnade vor seinem Urteil fand. Die in diesem Band versammelten Texte reichen von der kurzen Notiz bis zur ironischen Beschimpfung und empathischen Lobrede, von der Rezension bis zum großen Porträt.
Die Ausgabe enthält überwiegend unveröffentlichte Texte aus dem Nachlass und an entlegenen Orten publizierte Rezensionen. F. W. Bernsteins leichthändige Dichterporträts fügen dem Kompendium eine eigene bildliche Dimension hinzu. Peter Rühmkorf über: Adorno, Beckett, Bellman, Benjamin, Benn, Bernhard, Borchert, Born, Braun, Brecht, Büchner, Dehmel, Döblin, Droste-Hülshoff, Eckermann, Eggebrecht, Eich, Endler, Enzensberger, Fichte, Fried, Friedell, Frisch, Gernhardt, Goethe, Grass, Grosz, Gruppe 47, Handke, Heine, Heißenbüttel, Hiller, Hoddis, Höllerer, Hoffmann von Fallersleben, Jahnn, Jelinek, Jünger, Kästner, Kafka, Kahlau, Kerner, Klopstock, Kürenberger, Lenz/Schneider, Lichtenberg, Mann, Mehring, Merseburger Zaubersprüche , Musil, Paz, Riegel, Rilke, Ringelnatz, Schmidt, Stramm, Tucholsky, Vesper, Voß, Walser, Walther von der Vogelweide, Zuckmayer

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.01.2013

Manfred Koch rühmt das heterogene Textgemisch aus Peter Rühmkorfs Rezensionen, Essays und Interpretationen, Briefen und Tagebucheinträgen, die am Ende so eine Art "Rühmkorf-Literaturlexikon" abgeben: "von A wie Adorno bis Z wie Zuckmayer". Besonderes Augenmerk verdienen bei der Lektüre von "In meinen Kopf passen viele Widersprüche" die Wortschöpfungen des Autors, die salopp-erhaben den Punkt treffen, meint der Rezensent, Gottfried Benns "weltschmerzlicher Dauerdurchhänger" zum Beispiel. Benn war für Rühmkorf aber nicht nur Untersuchungsgegenstand und Vorbild, sondern bot ihm auch einen Ausweg aus einer dichterischen Bredouille: "Die schönsten Verse der Menschen / - Nun finden Sie schon einen Reim! - / Sind die Gottfried Bennschen" - wer so einen schönen Reim auf "Menschen" findet, gehört von der Dichterwelt gepriesen, findet Koch.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.11.2012

Rezensent Wulf Segebrecht ist nicht ganz zufrieden mit der Arbeit der Herausgeber Susanne Fischer und Stephan Opitz, die in diesem Band Urteile Peter Rühmkorfs über Kollegen aus Interviews, Essays, Vorträgen, Gedichten und Tagebuchnotizen versammelt haben. Gern hätte der Kritiker mehr von den "scharfzüngigen und polemischen" Bonmots gelesen, die der junge Rühmkorf etwa über Rilke - "Ich schätze ihn hoch, aber ich kann ihn nicht leiden" - oder Thomas Bernhard, dem er "österreichisches Allürentheater" attestierte, äußerte. Leider konzentrieren sich die Herausgeber laut Segebrecht ber insbesondere auf Dankesreden und Jubiläumsartikel, in denen sich der ältere Rühmkorf von seinen in jugendlichem Übermut gefällten Urteilen distanziert und einstige Vorbilder wie Gottfried Benn ironisiert, berichtet Segebrecht. Neben dieser "problematischen Seriosität" stört den Rezensenten, dass in diesem Band wesentliche Artikel, etwa über Georg Heym, fehlen, während Kurztexte Rühmkorfs, teils aus dem Kontext gerissen, aufgenommen wurden. Nichtsdestotrotz hat der Kritiker hier zahlreiche meisterhafte, intime und originelle Charakterisierungen, etwa über Klopstock, Heine, Brecht, Kästner, Tucholsky oder Grass gelesen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2012

Rezensent Willi Winkler präsentiert sich die posthume Auswahl von Peter Rühmkorfs Dichterkollegen-Porträts in ihrem ganzen Facettenreichtum - von saftigen Backpfeifen (für Martin Walsers Paulskirchenrede), herrlichen Kollegenschmähungen (Octavio Paz' Gedichte sind für ihn reiner "Kunststoff") bis zu innigen "Liebeserklärungen" (für die Merseburger Zaubersprüche). Der Rezensent kann auch dieser Sammlung des Dichters dessen Gram über den Rauswurf aus dem Germanistischen Seminar ablesen und den daraus resultierenden "Ehrgeiz" gegenüber der germanistischen Zunft, wie er auch die alten Hausgötter und Vorbilder versammelt sieht. Die Auswahl enthält nicht alles, was dem Kritiker am Herzen liegt, so fehlen zum Beispiel die Texte, die Rühmkorf unter dem Pseudonym Leslie Meier geschrieben hat. Alles in allem aber bietet das vorliegende Buch genug Lesestoff vom Dichter über Dichter, um Winkler "über den Winter zu bringen", wie er zufrieden feststellt.
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