Virginie Despentes

Das Leben des Vernon Subutex

Roman
Cover: Das Leben des Vernon Subutex
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2017
ISBN 9783462048827
Gebunden, 400 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Claudia Steinitz. Die Geschichte von Vernon Subutex und seinem rasanten sozialen Abstieg. Mit seinem Plattenladen hat er Pleite gemacht, und als einer seiner besten Freunde, der ihn finanziell unterstützt hat, stirbt, steht er plötzlich auf der Straße. Weil er sich und der Welt sein Scheitern nicht eingestehen will, benutzt Vernon eine Notlüge, um sich reihum bei seinen alten Freunden und Weggefährten einzuquartieren, die er zum Teil seit Jahren nicht gesehen hat. Man begegnet ihnen allen: den Gescheiterten, den scheinbar Erfolgreichen, den Schrillen und den Durchgeknallten. Despentes erspart ihren Figuren nichts, lässt kein gesellschaftliches Thema unberührt. Digitalisierung, die Ängste einer verunsicherten Mittelschicht, Islamismus, der Aufstieg der Rechten - alles hat seinen Platz in diesem beeindruckenden literarischen Rundumschlag, in dem jedes Wort sitzt, jeder Satz nachhallt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.09.2017

Rezensent Paul Jandl ist hell begeistert von Virginie Despentes' Roman, dem ersten Teil einer in Frankreich bereits veröffentlichten Trilogie. Zwei Dinge berücken den Rezensenten besonders: Erstens, dass die Autorin bei aller Schnoddrigkeit ihrer um Sex, Porn und Drugs kreisenden Abstiegsgeschichte nie ihre Figuren denunziert, sondern sie gar in einen zarten Ton kleidet. Und zweitens, dass Despentes nicht einfach nur auf Skandal und Suspense setzt, sondern in den anvisierten Milieus auch soziologische Devianzforschung betreibt, wie Jandl es nennt. Insofern scheint ihm das Buch von den Randzonen her mitten ins Zentrum des Geschehens zu weisen, dorthin, wo der Front National, die Unruhen in den Vorstädten und der Terror wüten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.08.2017

Rezensent Martin Halter hat nur wenig am neuen Roman von Virginie Despentes auszusetzen, die für ihn längst zum weiblichen Houellebecq geworden ist. Fasziniert schaut der Kritiker auf diesen Querschnitt der französischen Gesellschaft, begegnet neben dem abgehalfterten Ex-Mitglied der Punkband Nazi Whores und dem Ex-Plattenladenbesitzer Vernon auch marxistischen Hell's Angels, postfeministischen Porno-Queens, "Pussy-Tussis" und "sanften" Banlieue-Machos, die ihre Frauen schlagen, aber ihre Kinder lieben. Despentes' Sprache ist schroff, ihr Witz ist böse und ihre Wut auf Kapitalismus und Männlichkeitsattitüden ist scharf, echt und analysefrei, schwärmt der Rezensent, der bei der Autorin erstmals aber auch leise, sich nach "Beständigkeit" sehnende Töne vernimmt. Dass der Plot ein wenig holpert und die Verweise auf Figuren der französischen Medienindustrie den deutschen Leser etwas erschöpfen können, nimmt ihr Halter nicht übel.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 26.08.2017

Prall gefüllt mit Leben, Mitleid und gesellschaftlichen und menschlichen Abgründen ist Virginie Despentes' "Leben des Vernon Subutex" laut Rezensentin Hannah Lühmann, die sich dem Drive und der Schroffheit des Romans nicht entziehen kann. Warum? Weil die französische Punkrockerin, ehemalige Prostituierte und Schriftstellerin weiß, wovon sie spricht, wenn sie den sozialen Abstieg des verstörten Punkrockers Vernon und seiner Freunde erzählt, versichert die Kritikerin, die hier ein psychologisch intelligentes Sittengemälde der französischen Gesellschaft gelesen hat. Den Balzac-Vergleich braucht Despentes gar nicht, meint Lühmann.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.08.2017

Eher als mit Balzac möchte Alex Rühle die Virginie Despentes' Roman-Trilogie, dessen erster Band jetzt auf Deutsch vorliegt, mit Houellebecq vergleichen. Wie dessen humane Schwester kommt ihm die Autorin vor. Ihr Abstiegsroman, der den Rezensenten anhand der Verfallsgeschichte der Hauptfigur durch alle sozialen und gesellschaftlichen Schichten der Stadt Paris und Frankreichs führt, besticht laut Rühle durch die Balance zwischen ätzender Misanthropie und Depression und die Möglichkeit, Mitleid mit den Figuren zu haben. In ihrer Wut erscheinen Rühle die Charaktere plausibel.
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