Angelika Klüssendorf

Jahre später

Roman
Cover: Jahre später
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2018
ISBN 9783462047769
Gebunden, 160 Seiten, 17,00 EUR

Klappentext

Die Anatomie einer toxischen Partnerschaft. Mit "Das Mädchen" und "April" - beide auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis - schrieb Angelika Klüssendorf die Geschichte einer starken jungen Frau, die ihren Weg geht unter widrigen Umständen. "Jahre später" erzählt nun von der intensivsten, aber auch zerstörerischsten Beziehung des erwachsenen Mädchens April - ihrer Ehe.
Auf einer Lesung lernt April einen Mann kennen, der ihr zunächst durch seine dreist raumnehmende Art auffällt. Es ist nicht Sympathie, die sie zusammenführt. Es ist eine andere Form der Anziehung: Intensität. Eine schicksalhafte Begegnung. Denn Ludwig, der Chirurg aus Hamburg, wird für April zum Lebensmenschen werden - und April für ihn. Im Guten wie im Schlechten. Angelika Klüssendorf erzählt, wie eine Liebe zwischen zwei radikalen Einzelgängern entsteht, die beide mit ihren eigenen Mitteln versuchen, ins Soziale zu finden und zu sich selbst. Es ist eine Geschichte von Öffnungsbereitschaft, glühender Gemeinsamkeit, aber auch den unaufhaltsamen Fliehkräften, die das Paar auseinandertreiben. Ohne jemals Partei zu ergreifen, entwickelt "Jahre später" die Anatomie einer toxischen Partnerschaft.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.02.2018

Hochkarätig auf mancher Ebene findet Christian Metz Angelika Klüssendorfs Roman, der an "Das Mädchen" und "April" anschließt, wie er erklärt. Den Zeitsprung ins Jahr 1989 macht er mit und begegnet einer jungen Frau namens April, eine der faszinierendsten, wütendsten und unnahbarsten Frauenfiguren der jüngsten deutschen Literatur, findet er und entwickelt einige Empathie für sie. Die enge Verklammerung zwischen Figur und Autorin ficht ihn nicht an, als Schlüsselroman (Klüssendorf war mit Frank Schirrmacher liiert) möchte er das Buch nicht lesen. Lieber freut er sich an Klüssendorfs episodischer Erzählkunst, ihrer Fähigkeit, einzelne Ereignisse mit Symbolkraft aufzuladen und dem Alltäglichen klare Konturen abzugewinnen.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 17.02.2018

Richard Kämmerlings liest Angelika Klüssendorfs dritten Teil ihres Erinnerungsprojekts als Schlüsselroman über Frank Schirrmacher. Sich fragend, wie der FAZ-Mann wohl tatsächlich die Feierabende verbrachte, verlegt sich Kämmerlings schließlich lieber auf eine andere Lesart der Geschichte: als im Zeitraffer erzählte Romanserie über Ehe, Scheidung, Neuanfang. Rasanter hat sich Kämmerlings den Sturz aus dem Liebeshimmel in die Ehehölle noch nicht erzählen lassen. Respekt für die Selbstrettung der Erzählerin und der Autorin, meint er.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.02.2018

Rezensent Jens Bisky staunt über den menschenfreundlichen Blick auf die unser Streben nach Glück begleitenden Katastrophen in Angelika Klüssendorfs Roman. Das Buch scheint ihm auch ohne Kenntnis der Vorgängerbände von Klüssendorfs Trilogie verständlich als immer auch die (DDR-)Vergangenheit seiner Figuren miteinbeziehender ironischer Gesellschaftsroman. Intellektuelles Vergnügen bereitet ihm der Text durch seine kunstvolle Konstruktion, seine suggestive Darstellung instabiler Verhältnisse und Beziehungen und eine Unmittelbarkeit des Berichtens, die laut Rezensent in Spannung steht zur Selbstbeobachtung der Figuren. Wunderbare Prosa, findet er.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.02.2018

Für Rezensent Stephan Wackwitz ist Angelika Klüssendorfs "April"-Trilogie der "Anton Reiser der wiedervereinigten Republik". Denn selten werden in der deutschsprachigen Literatur psychologische und gesellschaftliche "Katastrophen" derart präzise analysiert und miteinander verwoben wie in Klüssendorfs autobiografisch geprägter Mischung aus Gesellschafts- und Coming-of-Age-Roman, lobt der Kritiker. Die Geschichte einer stürmischen Intellektuellen-Ehe liest Wackwitz, im Gegensatz zu seinen Rezensenten-Kollegen, die Klüssendorf ein Höchstmaß an Diskretion attestieren, doch deutlich vor dem Hintergrund ihrer Ehe mit dem FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher - was für den Kritiker allerdings zu den besonderen Qualitäten dieses Romans gehört: So schonungslos, wie die Autorin Beziehung und Ehemann seziert, geht sie auch mit sich selbst, ihrer Destruktivität und Frustration ins Gericht, ohne jeden Anflug narzisstischer Selbstbezüglichkeit, staunt der Rezensent, der unweigerlich an Hermann Lenz' Eugen-Rapp-Serie denken muss.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.01.2018

Wie hypnotisiert liest Judith von Sternburg diesen Roman, in dem Angelika Klüssendorf die mit "Das Mädchen" begonnene Geschichte von April fortsetzt. Sie ist jetzt auf sehr "nervenzehrende" Weise mit dem Chirurgen Ludwig verheiratet, von dem sie nicht weiß, ob er ihr guttut oder ob sie ihn überhaupt mag. Dennoch ist sie allein mit ihm beschäftigt: Er ist neugierig und ehrgeizig, "intelligent und von mitreißender Begeisterungsfähigkeit". Aber auch ein Angeber und Hochstapler mit manischen Zügen. Sternburg mag den spartanischen Stil der Autorin, ihre geradlinigen Sätze, ihre Präzision. Mitunter kippe der Ton zwar ins Therapeutische, doch bleibe der Roman immer zart und diskret, versichert Sternburg treuherzig, selbst in den Passagen, in denen unverkennbar wird, dass Ludwig große Ähnlichkeit mit dem FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher habe, mit dem Klüssendorf in den neunziger Jahren verheiratet war.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.01.2018

Rezensent Ijoma Mangold freut sich über ein Wiedersehen mit Angelika Klüssendorfs Mädchen April, von deren bitterem Dasein ihm die Autorin einmal mehr in messerscharfen Bildern erzählt. Aufgewachsen in einem gewalttätigen Elternhaus und später im Heim trifft die inzwischen erwachsene Heldin im dritten Teil des Zyklus auf einen hochstaplerischen und exzentrischen Arzt aus dem Westen, dessen Lügen sie verfällt und mit dem sie sich nach einigen harmonischen Ehejahren und einem gemeinsamen Kind in einem erbitterten Scheidungskrieg befindet, resümiert Mangold. Auch wenn sich der Kritiker einen Moment lang daran erinnert, dass Klüssendorf in den Neunzigern mit FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher verheiratet war, bewundert er die Diskretion und die Form, mit der die Autorin "psychologische Urmuster" herausarbeitet.
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