Marion Poschmann

Die Kieferninseln

Roman
Cover: Die Kieferninseln
Suhrkamp Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783518427606
Gebunden, 168 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Gilbert Silvester, Privatdozent und Bartforscher im Rahmen eines universitären Drittmittelprojekts, steht unter Schock. Letzte Nacht hat er geträumt, dass seine Frau ihn betrügt. In einer absurden Kurzschlusshandlung verlässt er sie, steigt ins erstbeste Flugzeug und reist nach Japan, um Abstand zu gewinnen. Dort fallen ihm die Reisebeschreibungen des klassischen Dichters Basho in die Hände, und plötzlich hat er ein Ziel: Wie die alten Wandermönche möchte auch er den Mond über den Kieferninseln sehen. Auf der traditionsreichen Pilgerroute könnte er sich in der Betrachtung der Natur verlieren und seinen inneren Aufruhr hinter sich lassen. Aber noch vor dem Start trifft er auf den Studenten Yosa, der mit einer ganz anderen Reiselektüre unterwegs ist, dem 'Complete Manual of Suicide'.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 07.10.2017

Elmar Krekeler mag gar nicht schreiben über Marion Poschmanns "zierlichen" Roman, so zerbrechlich scheint er dem Rezensenten. Doch Krekeler muss schließlich auch leben und schreibt drauflos, über Poschmanns hohe Kunst des stillen Erzählens und der poetischen Naturbeschreibung, über einen Helden, der als Bartforscher auf Japanreise geht und dessen Mittelmäßigkeit die Autorin mit scharfer Süffisanz zu zeichnen vermag, schließlich über einen Wald aus Leichen. Eine große Reisegeschichte, meint Krekeler.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.10.2017

Rezensent Paul Jandl spart nicht mit großen Worten des Lobes für Marion Poschmanns kompakten und überaus bereichernden Roman, der auch eine Hymne auf das Zwielicht, ein Lob des Ungewissen und Unsicheren ist. Hierhin wird der Protagonist, ein Privatdozent über die Geschichte der Gesichtsbehaarung, der sich von seiner Frau betrogen glaubt, geschickt, bzw. er schickt sich selbst, um "aus dem Takt" zu kommen.  Auf seiner ereignisreichen Reise durch Japan lernt er einen suizidalen jungen Japaner kennen, und wir sich selbst im Ungewissen sicherer und vertrauter denn je, lesen wir. Es ist eine facettenreiche Geschichte, die Poschmann in "Die Kieferninseln" trotz allen Ernstes nicht ohne gehörigen Humor erzählt, "knisternd-klug" und unbedingt lesenswert, so der begeisterte Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.09.2017

Den Leser von Marion Poschmanns "Die Kieferninsel" vereint zwangsläufig etwas mit dem Protagonisten des Buches, verrät Katharina Granzin: "eine dauerhaft verlässliche Beziehung zur Realität" lässt sich für beide nicht herstellen. Denn, ob Gilbert Silvester wirklich spontan nach Japan Reißaus nimmt, weil er davon geträumt hat, dass seine Frau ihn betrügt, ob er wirklich einen Japaner namens Tamagotchi trifft und ihn zum Aufschub seines Selbstmords bewegt und ob die beiden tatsächlich auf den Spuren des Dichters Basho eine Reise zu einem legendären Kiefernwäldchen antreten - die Rezensentin möchte es nicht beschwören. Die Romanform trügt, Poschmann hat eher eine Art "lyrischer Prosaballade" geschrieben, symbolisch aufgeladen und sehr, sehr schön, erklärt Granzin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.09.2017

Rezensent Andreas Platthaus liest das Buch gleich noch einmal. Erst beim zweiten Lesen zeigen sich ihm die genaue Komposition und Recherche der Geschichte um einen eheflüchtigen Japanreisenden. Die Schönheit und die Skurrilität des Ganzen machen ihm schon beim ersten Mal Spaß, denn der Text ist bei aller Weltläufigkeit und Virtuosität vor allem witzig, versichert der Rezensent. Sprachlich transparent und lakonisch erscheint ihm das Buch wie ein japanisches Lackkunstwerk - ganz Oberfläche und dann doch auch Tiefe.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.09.2017

Intellektuelle Männer mittleren Alters, die einen Ausweg aus einem eingefahrenen Leben suchen, sind momentan anscheinend Trend, beobachtet Tobias Lehmkuhl. Gilbert Silvester, der Hauptprotagonist in Marion Poschmanns neuem Roman "Die Kieferninseln" ist ein besonders gelungener Vertreter dieser Zunft, naturgemäß aber kein sonderlich sympathischer, findet der Rezensent. Der "Bartforscher im Rahmen eines Drittmittelprojekts" flüchtet aus seinem Leben, reist nach Japan, begibt sich auf die Spuren des Haiku-Dichters Bashō und rettet einem Japaner das Leben, fasst Lehmkuhl zusammen. Poschmann ist ein so feinsinniger wie lustiger Roman gelungen, in dem "Bartmode und Gottesbild" zusammenkommen, so der Rezensent, der sich nach "Mondbetrachtung in mondloser Nacht" über diese zweite Auseinandersetzung mit Japan gefreut hat.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.09.2017

Mit einer hymnischen Besprechung ihres Romans "Die Kieferninseln" beschließt Rezensent Alexander Cammann seinen Besuch bei Marion Poschmann auf der Ostseeinsel Vilm, wo die Autorin derzeit einige Wochen im Urlaubsdomizil der Honeckers verbringt. Für den Kritiker ist das Buch, das von dem Privatdozenten Gilbert erzählt, der auf einer spontanen Japanreise den suizidalen Petrochemie-Studenten Yosa kennenlernt und mit ihm die Wanderung wiederholt, die der Dich­ter Matsuo Bas­ho En­de des 17. Jahrhunderts antrat, ein "kleines Meisterwerk". Denn Poschmann vermag nicht nur mit Witz, Tempo und Poesie von den Abenteuern der beiden zu erzählen, sondern ihr gelingt es auch, mit der "plastischen" Schilderung der vermeintlich unüberwindbaren Kluft zwischen den fremden Kulturen ein aktuelles Thema aufzugreifen, lobt der Rezensent. Und wie leichthändig und sprachlich elegant die Autorin magische Momente einflicht und dabei Fragen nach dem Wesen der Wirklichkeit stellt, ringt Cammann ohnehin größte Anerkennung ab.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.09.2017

Judith von Sternburg mag das Buch von Marion Poschmann nur sehr vorsichtig anfassen, so zart ist es. Die erzählte Reise eines akademischen Sonderlings nach Japan beschert der Rezensentin einen Kulturclash der besonderen Art. Nicht nur Skurriles lässt die Autorin laut Sternburg anklingen, sondern auch Pikareskes. Auch wenn der "schillernde" Text für die Rezensentin nicht leicht zu fassen ist, beeindruckt er sie doch in seiner Art, von einem Desaster so ungewohnt leise und empathisch zu erzählen.