Viktoria Tokarjewa

Glücksvogel

Roman
Cover: Glücksvogel
Diogenes Verlag, Zürich 2005
ISBN 9783257064773
Gebunden, 294 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Angelika Schneider. Nichts ist zu schwierig für die clevere, skrupellose Nadka, sie schafft einfach alles - aber einer schafft sie: Andrej, ihre große Liebe, ist verheiratet und will es auch bleiben. Doch so schnell gibt Nadka nicht auf.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.07.2006

Barbara Catoir kann sich für diesen Roman über das Leben einer jungen Frau unter den frühkapitalistischen Bedingungen des nachsozialistischen Russland nicht recht erwärmen. Geschildert wird das Leben von Nadka, die sich mit Hilfe ihrer Attraktivität finanziellen und gesellschaftlichen Aufstieg erhofft, fasst die Rezensentin zusammen, die hier nur unschwer die Parallelen zu Emile Zolas "Nana" erkennt. Ihr sind in diesem Gesellschaftsroman, der nach dem Muster "Jeder betrügt jeden" gestrickt ist, viel zu viele Klischees aufgeboten um zu überzeugen. Zudem bemängelt sie die Sprache als reichlich "ungelenk", wobei sie nicht zu entscheiden vermag, ob das der russischen Autorin oder ihrer Übersetzerin anzulasten ist. Alles in allem erinnert diese Geschichte und die durchweg am Materiellen orientierten Wünsche der Protagonistin an eine TV-Seifenoper, so Catoir wenig begeistert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.11.2005

Für Rezensent Jörg Plath ist Viktoria Tokarjewas Roman "Glücksvogel" das Musterbeispiel einer "Schnittmusterbogenliteratur für Frauen". Die Heldin Nadka sei eine attraktive Russin mit "Ilustriertenträumen", die sie ohne neurotische Scham verfolgt, als sie kurz vor 1989 gen Westen zieht, aber nach vielen vergeblichen Kapitalisierungsversuchen ihrer Liebessehnsucht bekehrt nach Moskau und Russland zurückkehrt. Dort treffe sie mit dem "richtigen Bewusstsein" zwangsläufig den "richtigen" Mann, der natürlich ein "echter Russe" sei und gerne in mystischer Verzückung auf die russische Scholle pinkele. Nadkas Russe sei natürlich einer von der neuen Sorte, ein Bankdirektor, und mit ihm habe Nadka nun Reichtum und Liebe und, wie Tokarjewa betone, "eine neue Seele". Rezensent Plath staunt über eine "kühne Paradiesmetapher" der Autorin, wenn sie von ihrer Heldin Nadka schreibe, sie sei ein Frau ohne "Angst vor dem Leben, (sie) biss mitten hinein". Und die Autorin, so Plath, tue es Nadka in gewisser Weise gleich mit ihrem "Hohelied des Mafiakapitalismus".

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