Andrej Kurkow

Die letzte Liebe des Präsidenten

Roman
Cover: Die letzte Liebe des Präsidenten
Diogenes Verlag, Zürich 2005
ISBN 9783257064865
Gebunden, 696 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Sabine Grebing. Macht macht einsam. Das spürt auch der Präsident der Ukraine im Jahre 2013. Was nutzen Geld und Einfluss, wenn man niemandem mehr trauen kann? Wirklich niemandem? Eine alte Jugendliebe scheint allen Stürmen des Lebens zu trotzen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.01.2006

Sonja Zekri hat einiges zu bewundern an Andrej Kurkows neuem Roman, "Die letzte Liebe des Präsidenten", und nicht zuletzt gehört dazu, dass Kurkow heute "einer der bekanntesten Schriftsteller der Ukraine" ist. Kurkow verfügt auch über einen vitalen Sinn fürs Groteske, und er vermag Szenen äußerst effektvoll in diesem Sinn zu gestalten. Außerdem staunt Zekri nicht schlecht, wie nahe Kurkow manchmal der Wirklichkeit kommt - beinahe scheint es ihr zuweilen (etwa, wenn im Roman die "Indienstnahme des Energiesektors" im russisch-ukrainischen Kräftemessen thematisiert wird), als holte die Wirklichkeit sich Inspiration bei der Literatur. Der Plot: Mit allen Orwellschen Mitteln versucht der ukrainische Präsident im Amt zu bleiben. In seiner Brust schlägt das Herz eines anderen, und die Witwe des Spenders hat sich vertraglich zusichern lassen, dass sie immer in der Nähe des geliebten Herzens sein darf. Darüber hinaus ist im Spenderherzen ein Sender eingebaut, mit dem die Opposition sich auf dem Laufenden hält über die Maßnahmen ihres Gegenspielers. Überhaupt geht es hinter den Kulissen der Macht zynisch-irr zu, auch wenn am Ende der Präsident seine große Liebe findet. Einmal haut die Rezensentin richtig dazwischen. Da kommt sie auf Kurkows erzählerisches Schachtelverfahren - Vor- und Rückblenden über die Jahre hinweg - zu sprechen. Und sie spricht harsche Worte: "Das liest sich gelegentlich so flüssig wie ein Vorwahlverzeichnis." Insgesamt aber: Gut.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.09.2005

Mit diesem Roman hat sich der ukrainische Autor Andrei Kurkow selbst übertroffen, schwärmt Ulrich M. Schmid. Durch "gut gemachte, aber doch eher leichtgewichtigere" Bücher bekannt, zeigt sich Kurkow hier "auf der Höhe seines literarischen Schaffens", so der begeisterte Rezensent. Die Geschichte spielt auf drei ständig wechselnden Zeitebenen, die den Werdegang eines ukrainischen Präsidenten nachzeichnen. Der Autor erzählt parallel aus den 80er Jahren, in denen die Hauptfigur als "Herumtreiber" umherstreunt, aus dem Jahr 2004, wo er bereits Regierungsbeamter ist und schließlich von 2015, als er Präsident geworden ist. So gelingt es ihm, "raffiniert" und "unaufdringlich" vorzuführen, dass der Protagonist im Grunde keine wirkliche Entwicklung durchmacht, stellt der Rezensent fest. Insbesondere bei der Darstellung der erotisch-amourösen "Verirrungen" dieses Präsidenten "zieht" Kurkow "alle Stilregister" freut sich Schmid, der die "politische Pointe" des Romans in der Darstellung des "ukrainischen Herrschaftsgefüges" sieht, in dem kräftig intrigiert wird und der Präsident letztlich nur der "Strohmann seiner Hofkamarilla" ist. Der Autor habe es geschafft, das "Tragische, Komische und Groteske" seiner Zukunftsvision in eine "überzeugende Erzählung" zu formen, lobt Schmid, den so manches in dem Roman an den "russisch-ukrainischen Politzirkus" von heute erinnert.
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