Andrej Kurkow

Pinguine frieren nicht

Roman
Cover: Pinguine frieren nicht
Diogenes Verlag, Zürich 2003
ISBN 9783257063776
Gebunden, 537 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Sabine Grebing. Auf der Polarstation in der Antarktis, wohin Viktor vor der Mafia geflüchtet war, hält er es nicht lange aus. Das Vermächtnis eines sterbenden Bankiers, der ebenfalls ins ewige Eis geflohen war, und nicht zuletzt der Gedanke an den Pinguin Mischa, dem Viktor noch etwas schuldig ist, lassen ihm keine Ruhe. Er fliegt zurück nach Moskau, zu der kleinen Sonja und ihrem von Viktor bezahlten Kindermädchen, zu dem er früher einmal in enger Beziehung stand.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 29.11.2003

Nicht nur, dass sie nicht frieren, Pinguine sind auch nicht unbedingt niedlich. Zumindest nicht Mischa, dem Susanne Messmer jetzt schon zum zweiten Mal begegnet ist, denn "Pinguine frieren nicht" ist die Fortsetzung von "Picknick auf dem Eis". Der menschliche Held der Bücher, Viktor, ist mittlerweile der Mafia entkommen, muss aber das Versprechen einlösen und Mischa zurück in die Antarktis bringen, denn der hat Depressionen, weil es so warm ist. Zunächst aber, informiert Messmer, führt die Handlung quer durch die postsozialistischen Gefilde der ehemaligen Sowjetunion: von Kiew über Moskau nach Tschetschenien, wo Viktor den verloren gegangenen Pinguin und damit sein melancholisches Spiegelbild wiederfindet. Doch ist Mischa keinesfalls, lobt Messmer, bloße Metapher, und es gehe in Kurkows "poetischem Roman" auch nicht "um tierische Unschuld", sondern "um Vertrauen, das man nur noch denen schenken kann, die man nicht versteht". Und deshalb brauche Viktor, der die Rezensentin "manchmal an die leisen Helden von Haruki Murakami erinnert, seinen Mischa.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.09.2003

Absolut überzeugt ist Rezensent Tobias Gohlis von Andrej Kurkows Kriminalroman "Pinguine frieren nicht". Hierbei handele es sich um die Fortsetzung des schon 1999 erschienen "Picknick auf dem Eis". Die Geschichte um einen melancholischen Ukrainer und einen "einsamen Pinguin" käme so "märchenhaft, leicht, elegant" und "heiter" daher, dass es den Rezensenten entzückt. Dieser Schreibstil sei durchaus passend, auch wenn es sich ja eigentlich um einen "Kriminalroman der radikalen Art" handele, in dem Gut und Böse, Freund und Feind ganz klar festgelegt seien, begeistert sich der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.08.2003

So richtig kann sich Adam Olschewski für diesen Roman, dessen Hauptfigur Viktor den Lesern bereits aus dem vorhergehenden Buch des russischen Autors bekannt ist, nicht erwärmen. Zwar räumt der Rezensent ein, dass Andrej Kurkow durchaus "detailliert" und "plastisch" zu erzählen weiß und bei aller Lust an kuriosen Begebenheiten, die Viktor bei der Suche nach seinem Pinguin Mischa durchlebt, der Realität verpflichtet bleibt. Aber Olschewski findet, dass dies auch mit weniger erzählerischem Aufwand zu haben sein könnte. Am meisten aber stört ihn, dass die Hauptfigur stets ein "willenloser Spielball" der Geschehnisse bleibt und dabei etwas konturlos bleibt. Man lernt ihn nicht wirklich kennen, beschwert sich der Rezensent, dem im Lauf des Romans wegen der "obsessiven" Zuneigung des Protagonisten zu seinem Pinguin zudem der unangenehme Eindruck entsteht, Viktor sei ein "Sodomit". Insgesamt entsteht für Olschewski der Eindruck, es gehe dem Autor mehr um Unterhaltung als darum, "Literatur abzuliefern" und das ist dem Rezensenten offensichtlich zu wenig.
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