Viktor Jerofejew

de profundis

Erzählungen
Cover: de profundis
Berlin Verlag, Berlin 2006
ISBN 9783827006370
Gebunden, 135 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Beate Rausch. Moskau, die Frauen, der ganz normale Irrsinn des postkommunistischen, neonationalen, knallreichen, mäusearmen Putin-Russland, aber auch Tibet, die Literatur, der Große Vaterländische Krieg: Über all das und noch viel mehr schreibt Jerofejew in diesem eleganten schmalen Band, der aufs Neue seine stilistische Brillanz unter Beweis stellt, aber auch seinen immer etwas anderen Blick. Die Erkenntnisse, die er unaufdringlich in seine Prosa streut, sind bestechend in ihrem Witz, in ihrer Originalität und Präzision. Viktor Jerofejew ist der große Chirurg der russischen Seele, seine Feder scharf wie ein Seziermesser.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.01.2007

Enttäuscht zeigt sich Friedmar Apel von diesen Erzählungen Viktor Jerofejews, den er als Autor der romanhaften Doppelbiografie "Der gute Stalin" eigentlich schätzt. In vorliegendem Band aber bleibt Jerofejew Apels Erachtens weit hinter seinem Können, dem Einsatz von "feineren literarischen Mitteln" zurück. Zu wichtigtuerisch, geschwätzig und albern gerieren sich hier die Ich-Erzähler, als dass Apel daran Gefallen finden könnte. Vor allem aber stören ihn die zahlreichen wenngleich ironisch gemeinten Russland-Klischees, die Jerofejew mit Blick auf das internationale Publikum verbreitet. Zwar hält Apel das Buch stellenweise durchaus für witzig. Meistens aber scheint ihm das Buch, abgesehen von der Titelgeschichte, ziemlich "öde".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.10.2006

Jörg Magenau kann den in diesem Band versammelten Erzählungen von Viktor Jerofejew nichts Gutes abgewinnen. Er wird den Verdacht nicht los, jemand, der so logikfern und sinnlos daher schwadroniere, wolle ohnehin nur demonstrieren, was für ein "toller Hecht" er sei. Vielleicht hätte man die Erzählhaltung des russischen Autors, der seine Figuren vollkommen willkürlich und ohne Rücksicht auf die Handlungslogik leben und sterben lässt, im sozialistischen Realismus als provokant empfunden, heute lockt das genauso wenig jemanden hinter dem Ofen hervor wie die an Pornos gemahnenden Sexszenen, mit denen die Erzählungen gespickt sind, so der Rezensent angeödet. Allenfalls die Titelerzählung "De profundis" lässt Magenau durchgehen, die hält er für die herausragendste des ganzen Bandes.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.09.2006

Wie gehabt und für den Rezensenten nichts anders zu erwarten, beliefert Viktor Jerofejew das deutsche Publikum mit seinen russischen Provokationen, diesmal als Erzählungen "oder etwas in der Art". Jedenfalls arbeite sich der Schriftsteller zum wiederholten Male an der Stadt Moskau ab, von der er nur Schlüpfriges zu berichten weiß. Nicht nur, dass das Trio infernale der zeitgenössischen russischen Literatur, zu dem neben Jerofejew auch Vladimir Sorokin und Viktor Pelewin gehören, ästhetisch im Tauwetter der achtziger Jahre stecken geblieben sei, missfällt Christoph Keller. Ihn stört auch die demonstrative Eitelkeit des berufsjugendlichen 59-Jährigen und seine Geschwätzigkeit. Die Provokation sei für Jerofejew zum Selbstzweck geworden, bedauert der Rezensent, der den Autor nach wie vor für einen der begabtesten und wichtigsten Chronisten seiner Generation hält, der, "würde er denn jemals erwachsen, ein scharfer Beobachter" sein Landes werden könnte.
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