Drago Jancars ist eine Welt für sich selbst wenn der Autor in der einen oder anderen nur ein Lebensfragment entwirft. Die Heldin der Titelgeschichte wird vom Blick eines Malers, der Held einer anderen Erzählung vom magischen Auge einer Fernsehkamera und vom geschichtlichen Umbruch in den Strudel des Lebens gezogen. Zwei junge Männer träumen in einer Frühlingsnacht von der Zukunft; der eine wird Chef einer Kegelbahn, der andere Staatsmann und Diktator.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.01.2006
Drago Jancar, so der Rezensent Jörg Plath, ist einer der renommiertesten Erzähler der älteren Generation in Slowenien. Das belegen mehrere, auch in Übersetzung vorliegende Romane, aber auch diese Sammlung von Erzählungen. Was sie gemeinsam haben, ist der Bezug auf Bilder - tatsächliche Gemälde, TV-Bilder oder bildhafte Szenen, die einem nach der Lektüre nicht mehr aus dem Gedächtnis gehen. So wird in der Titelgeschichte eine "Pygmalion"-Version erzählt, die mit der Verstoßung der Muse endet. Nur nebenbei kommt dabei die große Geschichte, das heißt vor allem die Jugoslawien-Kriege ins Bild. Auffällig findet es der im Prinzip sehr überzeugte Rezensent allerdings, dass die drei Geschichten, in denen Jancar auf die tragische Grundierung verzichtet, deutlich weniger gelungen sind.
Kurz aber "wunderbar", lautet das Urteil Christoph Kellers zu Drago Jancars Erzählband "Luzias Augen". Die Titelgeschichte, die er zu den zwei besten Erzählungen des Bandes zählt, verweise auf das vorherrschende Grundmotiv des Wahrnehmens und Erkennens. Luzia gibt ihr Leben für einen erfolglosen Maler auf, weil sie in seinen Bildern als einzige die Meisterwerke sieht, die sie sind. "Unaufdringlich" verbinde Jancar mit seinen "hypnotischen, mäandernden" Sätzen Geschichten, die in der Gegenwart Sloweniens spielen, sich aber immer in irgendeiner Weise auf das von Jancar heftig kritisierte Tito-Regime beziehen, schwärmt der Rezensent. Zweiter Favorit Kellers in der Sammlung, in der es seiner Meinung nach keine schlechten Texte gibt, ist "Der Mann, der den Malstrom sah" über einen Kamerasüchtigen. Das Schlusslob gilt der "vorzüglichen" Übersetzung von Daniela Kocmut und Klaus Detlef Olof.
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