Viktor Jerofejew (Hg.)

Vorbereitung für die Orgie

Junge russische Literatur
Cover: Vorbereitung für die Orgie
DuMont Verlag, Köln 2000
ISBN 9783770152308
Gebunden, 336 Seiten, 25,51 EUR

Klappentext

Auf ihrem Weg zu einer offenen Gesellschaft gerät die russische Mentalität in Turbulenzen. Erstmals in der gesamten russischen Literatur bildet sich eine Schriftsteller-Generation, die völlig frei von staatlicher oder innerer Zensur arbeiten kann. Für die jungen Autoren ist es kein Geheimnis, dass das heutige Russland ein kranker Organismus ist, und ihre Erzählungen verbergen das nicht. Sie verlangen mehr Aufmerksamkeit für Körper, Sex, Liebe und die Macht des Geldes. Kräftiger als früher lassen sich auch die Frauen vernehmen, eine ganze Reihe junger Schriftstellerinnen verschafft sich lautstark Gehör. Viktor Jerofejew führt in "Vorbereitung für die Orgie" die neue Welt der russischen Literatur vor, deren Aufbruchsstimmung, Scharfsinn und Anziehungskraft einem literarischen Umsturz gleichkommt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.09.2000

Gar nichts Gutes hat der Rezensent Ulrich M. Schmid über diese Anthologie junger russischer Literatur zu sagen. Das fängt schon beim Herausgeber Viktor Jerofejew, selbst Schriftsteller, an. Nicht Talent sei der Grund für dessen gelegentliche Erfolge, sondern seine "Fähigkeit, die Bedürfnisse des literarischen Markts genau zu analysieren und schnell zu befriedigen". Doch auch die Prosa der 19 hier versammelten Jungautoren gefällt dem Rezensenten überhaupt nicht. Schmid stösst sich an den Inhalten ("oberflächliche und schlaglichtartige Darstellung von Sex und Gewalt") als auch an der stilistischen Umsetzung. Er bezeichnet die Geschichten als "von dürftiger literarischer Qualität" und wundert sich, dass der Verlag Dumont sich zu dieser Veröffentlichung hergegeben hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.08.2000

Reinhard Lauer bescheinigt der in diesem Sammelband vertretenen jungen Generation russischer Autoren ein gerütteltes Maß an "Kraft und Können", an Phantasie und Erzählkunst - wodurch sie sich seiner Ansicht nach von den bisweilen minimalistischen Experimenten einiger ihrer Vorgänger unterscheiden. Dennoch sieht er durchaus auch Anknüpfungspunkte an die "russische Narrationskunst". Allerdings sei nicht mehr viel zu spüren von Ideologie, von der Angst vor Zensur, Pathos, Heldentum und auch Utopien. An deren Stelle treten seiner Ansicht nach vielmehr groteske Elemente, eine überraschende "Tabulosigkeit", gerade auch in sexueller Hinsicht, die in deutlichem Kontrast zur "sprichwörtlichen Prüderie" der bisherigen russischen Literatur stünden. Bedauerlich scheint Lauer es allerdings zu finden, dass die Texte zu weiten Teilen auch von Illusionslosigkeit und sogar Kälte geprägt sind. Der Blick, der hier auf die Gefühlswelt junger Russen eröffnet wird "stimmt (...) den Leser nachdenklich und traurig", so Lauer.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.08.2000

Schamma Schahadat erläutert zunächst die Ansichten des Herausgebers Viktor Jerofejew über die neue russische Literatur: sie sei vorwiegend weiblich, und damit versöhnlich, denn `ein Kreißsaal ist kein Ort für militante Diskussionen`, wie Jerofejew meint. "Eher eine Männerphantasie" ist dies nach Ansicht der Rezensentin, die angesichts dieser Erläuterungen beinahe erleichtert scheint, dass die Texte dieses Buchs zum großen Teil auch von Männern verfasst wurden. Gleichzeitig nimmt sie erfreut zur Kenntnis, dass - verglichen mit dem Moskauer Konzeptualismus - Frauen hier nicht mehr bloß still und stumm "posieren", sondern frei mit den Geschlechtern umgehen: Die Grenzen zerfließen, wie sie feststellt. Überhaupt stehen für die Rezensentin in diesen Texten "Grenzüberschreitungen" im Vordergrund. Zwar würden oft alltägliche Geschichten erzählt, aber es sei auch viel von Tod, von Geistern, Visionen und Leere die Rede, was so weit geht, dass einige Autoren tatsächlich `absolut nichts zu sagen` haben, wie der Autor Bonifacij selbst einräume. Nur wenige Autoren setzen sich, wie der Leser erfährt, mit ihrer eigenen Situation als Literaten kritisch auseinander. Inhaltlich hebt Schahadat jedoch Pawel Peppersteins titelgebende Geschichte "Vorbereitung auf eine Orgie" hervor.
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