Die Erstveröffentlichung einer umfassenden Auswahl aus den Tagebüchern Victor Klemperers war ein Meilenstein für die Erforschung des nationalsozialistischen Alltags. Jeder, der sich mit der gesellschaftlichen Realität der NS-Zeit beschäftigt, greift heute auf die Klemperer-Tagebücher als Quelle zu. Jetzt erscheint zum ersten Mal die vollständige Transkription der handschriftlichen Tagebuchaufzeichnungen. Mit der digitalen Ausgabe wird erstmals auch das Faksimile der kompletten Handschrift veröffentlicht. Die CD-ROM-Ausgabe hat mit ca. 15.000 Seiten etwa den dreifachen Umfang der in Buchform erschienenen Auswahl-Edition. Die Tagebuchtexte werden von dem Herausgeber Walter Nowojski umfassend kommentiert. Ein Anhang mit Kurzbiografien aller relevanten in den Tagebüchern vorkommenden Personen ermöglicht einzigartige Einblicke in die Geschichten der Zeit- und Leidensgenossen Victor Klemperers.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.05.2007
Kurz erzählt der Rezensent Frank-Rutger Hausmann noch einmal die späte Erfolgsgeschichte der Tagebücher des zu Lebzeiten als Romanist nie recht zu Ruhm gekommenen Victor Klemperer nach. Und er berichtet vom unermüdlichen Bemühen des Herausgebers Walter Nowojski, der erst die Druckausgabe und nun auch die gegen Widerstände doch noch geförderte CD-Rom-Version der Tagebücher betreut hat. Die Frage, ob diese digitale Ausgabe überhaupt nötig war, kann Hausmann nur entschieden bejahen: Die Möglichkeiten des Nachschlagens von Kommentaren und Erläuterungen per Mausklick werde hier hervorragend genutzt. Von ganz besonderem Interesse sind, so Hausmann, die in jahrelanger Arbeit recherchierten Biografien von in Klemperers Tagebüchern erwähnten Opfern - aber auch Tätern - des Nationalsozialismus. Was sich so ergebe, sei eine "einmalige Galerie von Grausamkeit und Menschlichkeit".
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