Die Korrespondenz zwischen Friedrich Engels und Victor Adler, den beiden "Hofräten der Revolution", berührt außer persönlichen Fragen insbesondere Überlegungen zu taktischen Problemen der Arbeiterbewegung. In der Zeit eines Aufschwungs der Bewegung stellte sich für den führenden Vertreter der seit 1889 geeinten österreichischen Arbeiterbewegung und dem Veteranen, der fast 50 Jahre auf theoretischem wie praktischen Gebiet zur Entwicklung der Bewegung beigetragen hatte, die Frage, wie die Eroberung der politischen Macht, "die einzige Tür in die neue Gesellschaft", vollbracht werden könne. Es galt mit den Worten von Engels "den Stein ins Rollen zu bringen", um die Kettenreaktion auszulösen, die diese Tür öffnen würde.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.02.2012
Jens Grandts Ertrag aus der Lektüre des Briefwechsels zwischen Victor Adler und Friedrich Engels ist die Erkenntnis, wie ähnlich sich die Positionen des heute zumindest in Deutschland fast vergessenen Begründers der österreichischen Sozialdemokratie und des Theoretikers Engels waren. So kann man dem im Auftrag des Wiener Vereins für die Geschichte der Arbeiterbewegung herausgegebenen Korrespondenzbandes ablesen, dass "aktivistische Exzesse" von beiden gleichermaßen abgelehnt und ein Generalstreik allenfalls für das letzte Mittel zur Durchsetzung beispielsweise von Reformen des (in Österreich noch geltenden) Kurienwahlrechts angesehen wurde. Noch bemerkenswerter erscheint Grandt, dass sich Engels zunächst sogar Kompromisse der österreichischen Sozialdemokraten mit der Monarchie vorstellen konnte, was er ebenfalls dem Briefwechsel entnehmen konnte.
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