Valentin Groebner

Ich-Plakate

Eine Geschichte des Gesichts als Aufmerksamkeitsmaschine

Klappentext

Der Band enthält 37 s/w-Abbildungen. Große Augen, lächelnde Münder: Gesichter auf Plakatwänden sollen Gefühle erzeugen, Vertrauen, Intimität - alles Leitbegriffe der Werbung im 21. Jahrhundert. Aber der Glaube an die Wirkung von Gesichtern hat eine lange Vorgeschichte. Ihren Spuren geht der Historiker und Publizist Valentin Groebner in seinem klugen, elegant geschriebenen Essay nach. Ob Heiligenbilder, Renaissanceporträts oder Fotografien, alle diese Bilder sagen viel über die Fertigkeiten ihrer Macher aus, doch wenig über die dargestellten Menschen. Am Ende stellt sich die Frage, wie sehr wir diesen Gesichtern wirklich gleichen wollen - denn autonome Ich-Gesichter gibt es nicht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.12.2015

Einen weiten Bogen von spätmittelalterlichen Heiligenporträts über die Renaissance bis hin zu Werbeplakaten des 21. Jahrhunderts schlage der Luzerner Geschichtsprofessor Valentin Groebner in seinem Buch, schreibt Oliver Pfohlmann. Das besondere Interesse des Autors gelte schließlich der Frage, ob jene heutigen "Ich-Plakate", in denen uns freundliche Gesichter direkt anblicken und eine Botschaft vermitteln wollen, historische Vorläufer haben. Der Rezensent Pfohlmann zeichnet Groebners Argumentationswege in groben Zügen nach, wobei ihm auffällt, dass der Autor den Kunstwissenschaften eine gewisse Unbedarftheit im Umgang mit (vermeintlichen) Porträts unterstellt. Groebners Überlegungen findet Pfohlmann insgesamt kenntnisreich und gut lesbar, der Kritiker lobt die reichhaltigen Beispiele. Letztlich vermisst er allerdings die Frage, "ob die Wirkung der 'Ich-Plakate' nicht auch oder sogar in erster Linie von der […] Andersheit des Anderen herrührt".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2015

Mit einer gelehrten Besprechung würdigt Rezensent Fritz Göttler Valentin Groebners neues Buch "Ich-Plakate". Er lernt von dem Historiker, wie Bilder im gesellschaftlichen Kontext funktionieren und den Betrachter zu Gefühlen animieren - und das bereits seit dem Mittelalter und der frühen Neuzeit. Nicht nur Fragen von Identität und Individualität, Authentizität und Unverwechselbarkeit werden hier erörtert, Groebner geht es auch um Wahrnehmungsprozesse und Techniken der Abbildung, erklärt der Kritiker. Großartig auch, wie der Autor den Übergang zur Fotografie und Werbung schildert, lobt Göttler, dem insbesondere die Anekdoten Groebners imponieren.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.10.2015

Für Rezensentin Jutta Person ist der heimliche Held aus Groebners Buch ein Mann namens Pietro Bembo, seines Zeichens italienischer Humanist der Renaissance. Der habe einmal ironisch über ein Porträt gesagt, es ähnele dem Porträtierten mehr als dieser sich selbst. Um unsere Beziehung zu gemalten und fotografierten Abbildern geht es nun auch Valentin Groebner in seinem Buch "Ich-Plakate", weiß die Rezensentin und verrät sogleich, zu welchem Ergebnis der Luzerner Geschichtsprofessor gelangt: Bilder von Gesichtern würden stärker älteren Bildern gleichen als der leibhaftigen Vorlage. Als Fachmann fürs Mittelalter konzentriert sich Groebner vor allem aufs 11. und 12. Jahrhundert, schreibt Person und erinnert im Zuge dessen an "Der Schein der Person", ein älteres Buch des Autors, das ebenfalls das Verhältnis von Urbild und Abbild zum Thema habe.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.08.2015

Mit Valentin Groebners Untersuchung "Ich-Plakate" kann Rezensent Thorsten Jantschek ein sehr lesenswertes Buch empfehlen, das ihm die Manipulativität von Porträts vor Augen führt. Der Kritiker liest bei dem Historiker nach, wie mittelalterliche Ikonenbildnisse, Renaissance-Porträts oder Werbeplakate von den Betrachtern mit Emotionen und einem Wahrheitsanspruch aufgeladen werden und so seit je als "Aufmerksamkeitsmaschinen" fungieren. Neben den lehrreichen Ausführungen über die Porträtmalerei lobt Jantschek insbesondere Groebners Analyse der Fotografie: Mit großem Interesse begleitet er den Autor auf seine Reise durch die Geschichte der Porträtfotografie bis hin zur Eroberung des öffentlichen Raums durch großflächige Werbeplakate.
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