Mit 96 großteils farbigen Abbildungen. Im Selbstporträt verkörpert sich programmatisch das Grundwesen der Moderne. Wie das christliche Altarbild im Mittelalter oder die Landschaft in der Romantik stellt das Selbstporträt das neue symbolhafte Thema in der Kunst des 20. Jahrhunderts dar. Der renommierte Kunsthistoriker Uwe M. Schneede erzählt mit dieser ersten Überblicksdarstellung versiert und kenntnisreich eine Geschichte der modernen Kunst am Beispiel der persönlichsten aller Kunstgattungen.Autonome Selbstbildnisse sind keine Erfindung der Moderne. Sie kommen bereits in der Renaissance auf - jedoch rückte die Gattung erst im 20. Jahrhundert in den Mittelpunkt und wurde zum zentralen Anliegen der Künstlerinnen und Künstler. Während es zunächst bei Künstlern wie Vincent van Gogh, Edvard Munch, Käthe Kollwitz oder Paula Modersohn-Becker vor allem um eine schonungslose Selbstanalyse ging, gerät ab 1960 der eigene Körper als Akteur in den Blick - so etwa bei Bruce Nauman, Cindy Sherman, Marina Abramovic oder Joseph Beuys.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 12.10.2022
Rezensent Ingo Arend empfiehlt Uwe M. Schneedes Überblick über die Entwicklung des künstlerischen Selbstporträts in der Moderne mit Einschränkungen. Die Moderne, so der Kritiker, beginnt bei Schneede Ende des 19. Jahrhunderts, und so startet der Streifzug bei Vincent van Gogh und endet bei Marina Abramovic. Arend betrachtet die 23 Beispiele im Buch, erkennt, wie sich van Gogh behauptete, Munch in der "Pose des Bohemiens" darstellte oder Künstlerinnen wie Frida Kahlo und Ottilie Roederstein sich als unabghängige Künstlerinnen positionierten. Mehr noch als eine tiefergehende kulturtheoretische Analyse vermisst der Rezensent allerdings eine Perspektive jenseits der eurozentrischen: Nur "weiße Protagonist:innen der transatlantische Westmoderne", seufzt er.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.09.2022
Rezensent Dieter Thomä begibt sich gern mit Uwe C. Schneede in den "Wunderwald menschlicher Ansichten". Wenn der frühere Direktor der Hamburger Kunsthalle die Geschichte des Selbstporträts in der Moderne auffächert, dann erfährt Thomä viel über den Künstler zwischen Selbstergründung und Selbstbehauptung, aber auch einiges über Rücksichtslosigkeit sich selbst gegenüber. Mit Schneedes Auswahl sieht der Rezensent den Kanon von Kirchner und Beckmann bis zu Gauguin, Picasso und Sherman abgedeckt und vorsichtig um Roederstein, Schjerfbeck und andere erweitert. Die Auswahl sei exquisit, wenn auch nicht originell, meint Thomä, die Bezüge findet er gelehrt, wenn auch nicht mutig. Als "gutes Lehrstück in großer Kunst" kann er den Band empfehlen.
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