Werner Hofmann

Die gespaltene Moderne

Cover: Die gespaltene Moderne
C. H. Beck Verlag, München 2004
ISBN 9783406521850
Broschiert, 208 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Dieses Buch versammelt 16 zentrale Essays von Werner Hofmann, deren gemeinsames Leitthema im Titel "Die gespaltene Moderne" seinen Ausdruck findet. Hofmann zeigt in diesem Essayband, dass die Moderne nicht ein linear gedachtes Projekt darstellt, sondern sich in Ambivalenzen und Selbstwidersprüchen ereignet. Dabei riskieren es führende Köpfe der Malerei des 20. Jahrhunderts wie Picasso oder Duchamp immer wieder, in Niemandsländer vorzudringen. Bevor Kandinsky in "Gegensätzen und Widersprüchen" die neue Harmonie entdeckte, stellten schon Burckhardt, Nietzsche und Warburg die Auflösung des herkömmlichen Kunstbegriffs in Aussicht und spürten die Rückwendung zu den magischen Ursprüngen der Kunst auf. Daraus gewann die Moderne ihre offenen Umrisse, auf deren Vielseitigkeit seither die verschiedensten Deutungen eine oder mehrere Antworten suchen. Diese Deutungsoffenheit wird an den Thesen dreier großer Kunsthistoriker aufgezeigt, denen Hofmann sich verpflichtet fühlt: Julius von Schlosser, Hans Sedlmayr und Ernst Gombrich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.01.2005

Großes Lob gebührt dieser Aufsatzsammlung des Kunsthistorikers Werner Hofmann, findet Martin Lüdke, die insgesamt einen Eindruck von Geschlossenheit vermittele, der insofern überraschend sei, als Hofmann in dem Band Aufsätze aus rund 50 Jahren versammelt hätte. Wie kommt diese Geschlossenheit zustande, fragt Lüdke und verweist darauf, dass Hofmann im Grunde immer die gleiche These vertreten habe, die er über die Jahre und Künstler hinweg nur neu variiert habe: dass die Moderne nicht erst mit Goya, Caspar David Friedrich oder Duchamp begonnen habe, sondern im Grunde schon mit Dürer oder Bernini. Demzufolge kenne die Moderne keine zeitlichen Grenzen, fasst Lüdke zusammen, modern sei laut Hofmann alles, was eine "polyfokale Sichtweise" erlaube. Dabei breche Hofmann das alte Begriffspaar modern-neu auf, so der Rezensent, was spannend aber auch ein bisschen beliebig werden könnte, äußert er eine zurückhaltende Kritik. Doch Hofmanns profunde kunsthistorische Kenntnisse bewahrten den Autor vor Wortklingelei, lobt Lüdke, und förderten auch immer wieder neue Einsichten zutage, weil Hofmann "dicht am Material" argumentiere und ihm jedes Fortschrittspathos fremd sei.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.12.2004

Christine Tauber ist von den Aufsätzen aus mehr als fünf (!) Jahrzehnten, die Werner Hofmann hier versammelt, sowohl angeregt als auch ein wenig genervt. Der Gegenstand der "abundant produzierenden Feder Hofmanns" ist die Moderne, die er immer wieder aufs Neue auf seine Begriffe von der "Integration der Ambivalenz", der Koexistenz von These und Antithese und der "Sprengkraft der Gegensätze" bringt. Immer wieder, so Tauber, erklinge sein typisches "einerseits, andererseits, dennoch", ob es um Gewährsleute wie Klee, Duchamp, Nietzsche und viele mehr, um "Gegendenker" wie Sedlmayr oder um die "emblematische" moderne Kunstform der Collage geht. Die "stärkste These" des Buches ist nach Ansicht der Rezensentin das Diktum, die Moderne habe bereits im Mittelalter begonnen. Was aber zunehmend nerve: Hofmanns "Leitdikta", die sich "basso-continuo-artig durch seine Texte ziehen", die "Griffe des Autors in die immer gleichen Schubladen des Zettelkastens seiner Belesenheit" - bis es irgendwann nur noch "von Zitat zu Zitat" geht.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2004

Außerordentlich angetan zeigt sich Michael Diers von dem Band "Die gespaltene Moderne", der sechzehn Essays des Hamburger Kunsthistorikers Werner Hofmann aus fünf Jahrzehnten versammelt und damit eine Summe seiner Schriften über Kunst und Kunstgeschichte der Moderne bildet. Im Mittelpunkt von Hofmanns Überlegungen sieht Diers den Zwiespalt und die Zerrissenheit der Moderne, die in ihrer Kunst anschaulich werden. Hofmann spüre den "Ambivalenzen und Widersprüchen, Konflikten und Kontrasten, Gegensätzen und Umbrüchen, Pendelschwüngen und Ausgleichsbewegungen, Antithesen und Synthesen der Moderne" nach. Dabei habe er das Modell der Komplementarität, ein nach Niels Bohr "erkenntniskritisch notwendiges Nebeneinander zweier widersprechender Betrachtungsweisen", für sein Schreiben und Nachdenken über die Kunst äußerst fruchtbar gemacht. Methodisch führe dies allerdings bisweilen dazu, dass Hofmann "auf die diagnostizierten Zwiespälte in der Geschichte der modernen Kunst gelegentlich mit Synthesen, jedenfalls Ausgleichsangeboten und auf Syntheseangebote der Kunst mit kritischen Zwiespaltungen antworten zu müssen". Durch diese rhetorisch "immer brillant" vorgetragen Ausgleichsbestrebungen werde der Rauheit ein "glatter Anstrich" verliehen. Diese Anmerkung will Diers freilich nicht als "Einrede" gegen das Buch verstanden wissen, zumal dieses voll von "Anregungen und Aufregungen" sei. Überhaupt verstehe es Hoffmann in seinen Aufsätzen Einsichten mit Aussichten zu verbinden und auch mit Ansichten nicht hinter dem Berg zu halten. Vor allem eins rechnet ihm der Rezensent hoch an: Hofmann nimmt "die Kunst, hier diejenige vom Rokoko bis zur Gegenwart, von Hogarth und Picasso, in ihrer Formensprache und Gedankenwelt sehr ernst."
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