W.J.T. Mitchell

Das Leben der Bilder

Eine Theorie der visuellen Kultur
Cover: Das Leben der Bilder
C. H. Beck Verlag, München 2008
ISBN 9783406573590
Gebunden, 272 Seiten, 14,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Achim Eschbach, Anna-Viktoria Eschbach und Mark Halawa. Mit 58 Abbildungen. In seinem jüngsten Buch erkundet der amerikanische Begründer des "iconic turn" das Eigenleben, das Bilder in unserer Kultur führen. Ob es sich um Bilder in Museen oder Bilder in den Medien handelt - sie fordern Reaktionen von uns, sie provozieren und verführen und benehmen sich manchmal so gar nicht wie tote Gegenstände, sondern wie lebendige Wesen mit ihren eigenen Wünschen, Bedürfnissen und Begierden. Mitchell beleuchtet nicht nur unsere visuelle, sondern auch unsere politische Kultur, die heute mehr denn je von Bildern geprägt ist.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.01.2009

Den amerikanischen Kunsthistoriker W.J.T. Mitchell stellt Rezensentin Henrike Thomsen als den Erfinder des "pictorial turn" vor, der den Eigenwert der bildlichen Erfahrungswelt gegenüber der von Texten betont. Wenn er wie in seinem vorliegenden Buch Bildern ein Eigenleben, eine Seele und einen Willen zuschreibt, ist damit die Art und Weise gemeint, wie wir mit Bildern umgehen. So geht Mitchell nicht nur davon aus, dass wir nach wie vor in "magischen, vormodernen Haltungen" gegenüber Bildern befangen sind, sondern sieht diesen Befund durch die neuesten Entwicklungen von Technik, Medien und Wissenschaft noch verstärkt. Wenn etwa die Bilder der einstürzenden Twin Tower wie eine Kopie und Verselbständigung bereits von Hollywood geschaffener Filmbilder erscheinen konnten, erinnere dies an den "uralten Mythos von der Schöpfung lebendiger Bilder". Auch naturwissenschaftliche und technische Entwicklungen, etwa in der Genetik oder der Computertechnologie, rufen in der Wahrnehmung Bilder hervor, die Traditionen des Totemismus und Einbalsamierens und Mythen von der künstlichen Schöpfung intelligenter Wesen evozieren und wiederum von Hollywood aufgegriffen und verstärkt werden, fasst Thomsen einige Thesen des Autors zusammen. Dass Mitchell auch ein "Meister der Bildanalyse" sei, komme leider nur vereinzelt zur Geltung, seine Theorielastigkeit dagegen öfter.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.12.2008

Peter Geimer zeigt sich offen enttäuscht über das Buch von W.J.T. Mitchell. Wie unabhängig der Bildbegriff des Autors dem Rezensenten auch immer in Erinnerung ist und so ambitioniert Geimer Mitchells Programm im vorliegenden Fall auch erscheint, so wenig kann ihn die Ausführung überzeugen. Bilder mit Eigenleben, mit Begierden gar? Auch im Anschluss an Bruno Latour gelingt es Mitchell offenbar nicht, eine Dynamik zu entwickeln, die dem Rezensenten eine Verflechtung zwischen Bild und Leben glaubhaft vermitteln kann. Wenn der Autor mit dem "animistischen Potential" seines Ansatzes kokettiert, statt es zu reflektieren, steigt Geimer aus. Zu wenig kohärent, zu widersprüchlich kommt das daher. Die Vorteile des spielerischen Schreibens, findet Geimer, vergibt der Text zugunsten einer Irritation des Lesers. Auch die Bildbeispiele können Geimer nicht umstimmen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.11.2008

Wolfgang Ullrich, seines Zeichens Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie in Karlsruhe, stellt zwei Bücher seines Chicagoer Kollegen W. J. T. Mitchell vor, die sich mit dem Totem-, Fetisch- und Idolcharakter von Bildern beschäftigen. In vorliegendem Band plädiert Mitchell nach Ullrichs Referat für eine Bildkritik, die sich weder ganz auf die magische, noch auf die rein nüchtern-materialistische Rezeption der Bilder beschränken will, sondern nach einem "dritten Weg" sucht. Mitchell scheide "götzenhaft verehrte oder magisch überhöhte Bilder" - dazu gehören bei ihm nicht nur Gemälde, sondern auch innere Bilder, Skulptur und Architektur, wie der Rezensent klarstellt - in Totems, Fetische und Idole, so Ullrich einverstanden. Dabei spricht der Autor Idolen die größte und mitunter auch schädlichste Macht zu, da sie überindividuell auf ganze Gesellschaften ausstrahlen können, entnimmt der Rezensent der Lektüre, die er offenbar recht erhellend fand.
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