Martin Kemp

Leonardo

Cover: Leonardo
C. H. Beck Verlag, München 2005
ISBN 9783406534621
Gebunden, 312 Seiten, 26,90 EUR

Klappentext

Mit 20 farbigen und 50 schwarzweißen Abbildungen. Aus dem Englischen von Nikolaus G. Schneider. Martin Kemp geht dem großen Talent und dem Jahrhunderte überdauernden Erfolg des rätselhaften Renaissance-Künstlers nach. Für ihn liegt der Schlüssel zum besseren Verständnis Leonardos in den Schriften, die der Künstler nach seinem Tod in Form von zahlreichen Heften sowie losen Manuskriptblättern hinterließ. Denn aus diesen Aufzeichnungen lässt sich ablesen, wie Leonardo seine innovativen Ideen und kreativen Visionen entwickelte. Über 20 000 Seiten mit Zeichnungen und Notizen belegen seine großartigen Entdeckungen und Erfindungen - vom Aufbau des menschlichen Auges bis hin zu den Entwürfen für Flugmaschinen. Das Buch bietet neue Einblicke in die vielseitigen Begabungen Leonardos.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.02.2006

"Alte englische Schule" heißt es bei Rezensent Willibald Sauerländer mit soviel Understatement wie Bewunderung für eine noch an der "Exakten Wissenschaft" orientierte kunsthistorische Tradition. Zum Thema Leonardo als Forscher kenne sich niemand so aus wie der Professor aus Oxford, Martin Kemp, der hier ein Standardwerk über das Verhältnis von Wissenschaft und Kunst geschrieben habe. Die Substanz von Kemps "Leonardo"-Buch sieht der Rezensent entsprechend in den drei Kapiteln über den "Forscher, Beobachter und Experimentierer". Besonders hier entgehe Kemp vollständig der grassierenden Unsitte, Leonardo zu "mystifizieren". Kemp schildere auf wohltuende Weise nicht die Träume Leonardos, "sondern seine Experimente". Auch sonst sei Kemps Buch eine "Art Antibiografie", wenn beispielsweise Leonardos Laufbahn in nur einem Kapitel abgehandelt werde. Doch bleibe, so der Rezensent, selbst ein Kemp nicht ganz frei vom unfeinen Metier der Legendenbildung, wenn er sich beispielsweise auf den "geschwätzigen Cellini" als Gewährsmann beziehe. Wahrscheinlich sei es ja ein "unlösbare Aufgabe", Leonardos Denken "allgemein verständlich" zu präsentieren, leitet der Rezensent behutsam einen weiteren Kritikpunkt ein. Kemps Prosa leide unter einer "gewissen Unverträglichkeit", wenn er "wahre Ungetüme von abstrakten Sätzen" auffahre, die durch eine "wenig sensible" deutsche Übersetzung noch monströser würden.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.12.2005

Dieses "schön ausgestattete" Buch ist nicht nur das neue Standardwerk über den Wissenschaftler und Künstler Leonardo da Vinci, sondern wird es auch auf lange Zeit bleiben, prophezeit Arne Karsten. "Souverän konzipiert" und "meisterhaft erzählend" widme sich der ausgewiesene Leonardo-Kenner Martin Kemp den Zusammenhängen zwischen den wissenschaftlichen Experimenten und den Kunstwerken des idealtypischen uomo universale. Dabei fällt Karsten nicht nur das "profunde" Wissen des Autors, sondern auch dessen "britischer Humor" positiv auf. Kein überflüssiges Wort hat der Rezensent entdeckt, der die stellenweise "aphoristische Konzentration" Kemps bewundert. Nur bei der einführenden Beschreibung des Lebenswegs von Leonardo wirkt sich die inhaltliche Askese störend aus, meint Karsten, weil damit einige für das Verständnis hilfreiche "Faktoren" im Werdegang nicht berücksichtigt werden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.10.2005

Als "brillante und kennerschaftliche Annäherung an das 'Phänomen Leonardo?" würdigt Christine Tauber dieses Buch über Leonardo da Vinci, das der Oxforder Kunsthistoriker Martin Kemp vorgelegt hat. Dass Kemp mit liebgewonnenen Legenden der Leonardo-Hagiografie aufräumt, kann sie nur begrüßen, zumal sie mit ihm übereinstimmt, dass Leonardos Verdienste auch dann "hinreichend interessant" sind, wenn man in ihn nicht als den Großmeister einer ominösen Geheimbruderschaft oder den Erfinder des Kühlschranks betrachtet. Kemps Arbeit will sie weder als Künstlerbiografie noch als Werkmonografie im landläufigen Sinne verstanden wissen. Im Mittelpunkt stehe die Frage nach der Funktionsweise von Leonardos Intellekt, wobei für Kemp der handschriftliche Nachlass des Künstlers in seinen sogenannten Notizbüchern eine Hauptquelle der Spurensuche ist. In "faszinierenden Einzelanalysen" von Zeichnungen und Notizen arbeite Kemp überzeugend heraus, dass Leonardo die Simultaneität visueller Erkenntnis über die notwendige Sequentialität sprachlicher Annäherung stellte. "Er war ein genialer 'Visualisierer? von Phänomenen", meint Tauber, die er mit dem "Maler- und dem Forscherauge zugleich" beobachtete. Einzige Kritikpunkte sind für Tauber die manchmal etwas holprige Übersetzung und die gelegentlichen und autobiografischen Einsprengsel des Autors.
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