Ursula Krechel
Vom Herzasthma des Exils

Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2025
ISBN 9783768198523
Kartoniert, 176 Seiten, 18,00 EUR
ISBN 9783768198523
Kartoniert, 176 Seiten, 18,00 EUR
Klappentext
Ein Nein zur Migration ist ein Ja zum Rassismus."Flucht, Migration und Exil sind entscheidende Kennzeichen unserer atemlosen Gegenwart. Die preisgekrönte Autorin Ursula Krechel begegnet ihr mit einer exemplarischen Kulturgeschichte, die unweigerlich die Widersprüche unserer Zeit aufzeigt.Die Emigranten aus dem Deutschland des 19. Jahrhunderts, die Fluchtbewegungen und Vertreibungen während des NS-Regimes, die Flüchtlinge unserer Zeit: Ursula Krechel untersucht Etappen, Widersprüche und Konsequenzen der Migrationsgeschichte von der französischen Revolution bis ins 21. Jahrhundert. Mit Goethes Ausgewanderten, mit Friedrich Engels' "schlafloser Nacht des Exils" und Thomas Manns "Herzasthma des Exils" denkt sie dabei auch über unsere heutige Gesellschaft nach - eine Einwanderungsgesellschaft, die keine sein will. Und die sich der elementaren Einsicht verweigert, dass diejenigen, die sich auf den unberechenbaren Weg gemacht haben, den Respekt der Sesshaften verdienen, die den Preis vergessen wollen, den eine Gesellschaft zahlt, die nicht über ihre Zukunft nachdenkt.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.10.2025
Rezensent Björn Hayer feiert die emphatische Zivilcourage und überzeugende moralische Haltung dieses Essays über die aktuellen Migrationsdebatten der diesjährigen Büchner-Preisträgerin. Darin blickt sie unter anderem auf die Geschichte der Migration, die sich als immerwährender Teil der menschlichen Zivilisation entpuppt. Gleichzeitig analysiert sie heutige Diskurstendenzen, in denen vornehmlich rechte Gruppen Migrationsmassen imaginieren und diese zur Kreierung von Fremdenhass instrumentalisieren. Hayer überzeugt Krechels doppelsträngige Vorgehensweise, nach der nicht nur eindrücklich unkommentierte Tabellen zu Alter und Todesursachen von Flüchtlingen Raum finden, sondern auch individuelle Schicksale erzählt werden. Abgeschlossen wird der schmale Band von einer präzisen Kritik der aktuellen Gesetzessprache, in der Krechel mit Begriffen wie "Duldung" menschenverachtende Vorstellungen herausarbeitet, die sie gekonnt mit Beispielen aus der NS-Zeit verknüpft. Eine mutige Erinnerung an das uns allseits verbindende Menschsein, lobt Hayer.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.07.2025
Ein großer Wurf ist dieser Essay laut Rezensent Gustav Seibt. Ursula Krechel widmet sich darin den Themen Exil und Migration, und schon, dass sie zwischen beiden Begriffen keine scharfe Trennlinie zieht, ist wichtig, findet Seibt, denn so vermeidet sie, zwischen dem "kulturell edlen Exil" auf der einen Seite und "Massenwanderungen der Ärmsten" auf der anderen Seite zu trennen. Historisch geht es zurück bis zur französischen Revolution - möglicherweise immer noch nicht weit genug, meint Seibt, auch vorher schon finden sich interessante Beispiele wie etwa religiöse Vertreibungen im Mittelalter, räumt er ein. Jedenfalls zeigt dieses Buch laut Seibt, dass Migration in der Geschichte allgegenwärtig ist, er geht auf einige aufgeführte Beispiele näher ein, zum Beispiel auf deutsche Lumpensammler in Frankreich nach 1848, oder auf die Exilanten der NS-Zeit, die im Nachkriegsdeutschland keineswegs mit offenen Armen empfangen wurden. Krechels Text läuft auf ein Plädoyer für eine menschlichere Flüchtlingspolitik hinaus und Seibt scheint geneigt, sich der Autorin nicht nur in diesem Punkt anschließen zu wollen.
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