Ursula Krechel

Jäh erhellte Dunkelheit

Gedichte
Cover: Jäh erhellte Dunkelheit
Jung und Jung Verlag, Salzburg - Wien 2010
ISBN 9783902497673
Gebunden, 103 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

"Mitschrift des Sommers" heißt der schöne geduldige Zyklus, der diesen Band abschließt und der entstanden ist während eines längeren Aufenthalts der Autorin in einem Frauenstift. Ihn durchziehen die Wärme und das Blühen der Jahreszeit, die gesteigert sind durch die Stille, wie die Klosterregel sie will. Sie führt zu einem gelassenen Für- und Bei-sich-Sein, das zugleich aufmerksam macht für die Geschichte des Ortes, die auch die Geschichte jener Frauen ist, die dort zuhause waren, bis sie im Klosterfriedhof ihre endgültige Ruhe fanden. Ursula Krechel, die zuletzt mit dem großen historischen Roman "Shanghai fern von wo" ihr episches Können vorgeführt hat, kehrt in diesem Buch einstweilen zurück zum Gedicht. Zwischen winterlichen Bildern der Erstarrung und Tagen, "als hätte jemand / du vielleicht oder ein schüchterner Glückspilz / mit einem großäugigen Würfel die richtige Zahl getroffen", entfaltet Ursula Krechel ihr Wissen darüber, wie das, was einst "Erdenwandel" genannt wurde, dahingeht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.02.2011

Ein Wunder, dass Hans-Herbert Räkel sich zurechtfindet in diesem Band mit Gedichten von Ursula Krechel. Botschaften sind es mitnichten, was die Texte ihm übermitteln, syntaktisch zerbrechlich sind sie bis an den Rand des Erträglichen, wie er erklärt. Und doch scheint es ihm, so wie der Autorin, genau darum zu gehen in der Dichtung: Buchstaben sich finden zu lassen, nicht Reime zusammenzukalauern. Ein Wagnis, wie Räkel meint, aber eins mit glücklichem Ende. Die Beharrlichkeit Krechels beschert ihm immer wieder eigenwillige, ja abweisende, immer auch kluge und humorvolle Gedichte, aber nie leicht Dekodierbares.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.08.2010

Harald Hartung kennt die Dichterin und ihr Werk und weiß diesen neuen Gedichtband von Ursula Krechel innerhalb der Entwicklung der Autorin zu verorten. Eine bedeutende Station, eine Wendung stellt das Buch für ihn insofern dar, als der aufklärerische Gestus hier von einem des Zweifelns, der Skepsis abgelöst wird, wie er schreibt. Keine Antworten also, sondern Fragen, das Gedicht als Essay. Wenn Krechel darin mit Dichter-Kollegen wie Celan, Diderot oder H.C. Artmann in einen intellektuellen Diskurs tritt und die "strukturelle Wahrheit" in der Sprache auslotet. Dazu liest Hartung Gedenkgedichte (für Oskar Pastior) und lernt schließlich, dankbar für diese Erfahrung, das Metaphysische in der von der Dichtern ausgehaltenen Sprachlosigkeit kennen.
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