Alfred Kolleritsch

Die Summe der Tage

Gedichte
Cover: Die Summe der Tage
Jung und Jung Verlag, Salzburg 2001
ISBN 9783902144072
Gebunden, 86 Seiten, 16,36 EUR

Klappentext

Mit einem Nachwort von Arnold Stadler. Die Summe der Tage, um das vorwegzunehmen, ist gewiss nicht das, was unterm Strich von uns übrigbleibt; es ist vielmehr das, was uns jetzt ausmacht, jetzt und an diesem Ort. All das gelebte Leben, die vielen Abschiede und die Schönheit, der wir ins Auge gesehen haben, all das lässt uns um so gegenwärtiger sein.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.10.2001

Zwei Gedichtbände von Alfred Kolleritsch bespricht Marion Löhndorf für uns: "Die Summe der Tage" (Verlag Jung und Jung) und "Die Verschwörung der Wörter" (Residenz-Verlag).
Die Rezensentin sucht nach den Themen und Bildern der mit den beiden Bänden vorgelegten Gedichte und findet sie zum einen in der Liebe und in der "Qual und Lust des Schreibens und Sprechens," zum andern in der, wenngleich domestizierten, Natur. Fasziniert scheint Löhndorf von der Art der Texte, zugleich preiszugeben und zu verhüllen, einfach zu beginnen und, wie sie's formuliert, schnell auf unzugängliche Pfade zu führen. Dass der Autor zudem den "gehobenen Ton" wagt und ihn auch souverän zu halten versteht, sich dennoch eines "eher fragenden und tastenden" Gestus' bedient - "inmitten der zeitgenössischen Lautheit," findet Löhndorf, das sei ein Gewinn.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.09.2001

Anton Thuswaldner bespricht in einer Doppelrezension zwei Gedichtbände von Alfred Kolleritsch, von denen einer neue Gedichte enthält und der andere eine Auswahl aus den vergangenen zwanzig Jahren.
1.) Alfred Kolleritsch: "Die Summe der Tage"
2.) Ders.: "Die Verschwörung der Wörter. Siebzig ausgewählte Gedichte"
Der Rezensent geht dabei weniger auf die Bände im Einzelnen ein, sondern beleuchtet vielmehr Kolleritschs Stil im Allgemeinen, der nach seiner Aussage in mancher Hinsicht recht eigenwillig ist. Vor allem sind es zwei Punkte, die Thuswaldner hervorhebt: Zum einen das Staunen des Dichters, der Rätsel nie zu erklären oder gar zu lösen versuche, sondern die als "ungeklärtes, unklärbares Geheimnis" offen hält und die üblichen Gewissheiten ihrer Selbstverständlichkeit beraubt. Wichtig ist dem Rezensenten dabei zu erwähnen, dass Kolleritsch auch Verfestigungen und Schubladen in Frage stellt, dass er ein Skeptiker ist, und dass gerade dadurch seine Lyrik "so jung und unverbraucht" wirke. Zum anderen betont Thuswaldner die Distanz in den Gedichten. Sie wirken seiner Ansicht nach merkwürdig unnahbar, sie "funkeln uns an, aber zu nahe lassen sie niemanden an sich heran". Kolleritsch gehe "nicht auf die Menschen zu", um ihnen etwas von der Wahrheit zu zeigen: "er schreibt allein, was ihn bewegt". Der neue Gedichtband, der sich mit der Liebe befasst und nicht mehr - wie in den früheren Gedichten - philosophische Fragen im Mittelpunkt hat, unterscheidet sich von der bisherigen Lyrik Kolleritschs vor allem durch mehr Einfachheit, so die Diagnose Thuswaldners, dessen Rezension sich insgesamt wie eine leise Hymne an das Gesamtwerk des Dichters liest.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.03.2001

Alfred Kolleritsch, der Herausgeber der renommiertesten österreichischen Literaturzeitschrift, sollte sich endlich auch als Autor einprägen, meint Rezensent Karl Riha, und sein neues Gedicht-Bändchen sei eine gute Gelegenheit dafür. Auch wenn der Titel und die Widmung der Gedichte auf konkrete Personen einen autobiografischen Ansatz des Autors vermuten ließen, täusche dieser Eindruck. Dieser Lyriker zeichnet sich vielmehr durch einige formale Charakteristika aus, erklärt der Rezensent. Dazu gehören variierende freie Formen und freie Bildlichkeit, in denen sich Naturbilder mit Liebesmotiven und diese mit Momenten einer durchdringenden Sprachreflexion "verknoten" würden, erläutert Riha. Auch gestalte Kolleritsch weniger "die Wonnen ekstatischer Vereinigung" als das "gemeinsame Alleinsein", und wenn die Titel häufig sehr abstrakt seien, zeichneten sich die Inhalte aber in der Regel durch "sehr konkrete, mitunter sogar höchst sinnliche Evokationen aus", die den Leser "`staunen und fragen` machen". Insgesamt hält Riha fest: Die radikale Dekomposition der Sprache, wie sie viele junge experimentell ausgerichtete Autoren erproben, sei nicht die Sache dieses Lyrikers, der vielmehr "den Satz vor den Silben schützen" möchte, wie er es selbst formuliert.
Stichwörter