Ursula Krechel

Geisterbahn

Roman
Cover: Geisterbahn
Jung und Jung Verlag, Salzburg 2018
ISBN 9783990272190
Gebunden, 650 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Fast ein Jahrhundert umspannt der Bogen dieses Romans, mit dem Ursula Krechel fortsetzt, was sie mit "Shanghai fern von wo" und "Landgericht" begonnen hat. "Geisterbahn" erzählt die Geschichte einer deutschen Familie, der Dorns. Als Sinti sind sie infolge der mörderischen Politik des NS-Regimes organisierter Willkür ausgesetzt: Sterilisation, Verschleppung, Zwangsarbeit. Am Ende des Krieges, das weitgehend bruchlos in den Anfang der Bundesrepublik übergeht, haben sie den Großteil ihrer Familie, ihre Existenzgrundlage, jedes Vertrauen in Nachbarn und Institutionen verloren. Anna, das jüngste der Kinder, sitzt mit den Kindern anderer Eltern in einer Klasse. Wer wie überlebt hat, aus Zufall oder durch Geschick, danach fragt keiner. Sie teilen vieles, nur nicht die Geister der Vergangenheit. In ihrem Roman erzählt Ursula Krechel davon, wie sich Geschichte in den Brüchen und Verheerungen spiegelt, die den Lebensgeschichten einzelner eingeschrieben sind.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.09.2018

Den Rezensenten Andreas Platthaus hat der letzte Teil von Krechels Romantrilogie zur deutschen Nachkriegszeit schwer beeindruckt, auch wenn er sich bei der Lektüre anstrengen musste, weil die Autorin ihm eine solche Fülle an Figuren präsentiert. Dennoch fand er es großartig, dass sie zeigt, wie die ehemaligen Täter und Opfer des zweiten Weltkriegs bei Trier im täglichen Leben aufeinandertreffen. Schneidend seien vor allem die Passagen über die wenigen Mitglieder der Sinti-Familie Dorn, die die Verfolgung durch die Nazis überlebt hätten. Außerdem hat der nicht zuletzt berührte Rezensent Rhythmus und Sprachgewalt des Romans bewundert.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.09.2018

Ingeborg Harms scheint überwältigt von Ursula Krechels Roman über das Schicksal einer Schaustellerfamilie im Nationalsozialismus. Wie die Autorin aus umfangreichen Quellen den bösen Zauber und die Grausamkeiten der Ideologie in Szene setzt, wirkt auf sie soghaft und wuchtig. Die vielen Details, der Sprachstrom, die lyrischen Passagen im Text sowie die Achtung und das Feingefühl der Autorin bei der Figurenzeichnung bleiben ihr in guter Erinnerung. Einzig die Uneindeutigkeit der Erzählerfigur irritiert die Rezensentin. Ein Mutant aus verschiedenen Stimmen, der sich in Rage redet "wie die Jelinek", meint sie.