Richard Flanagan

Der schmale Pfad durchs Hinterland

Roman
Cover: Der schmale Pfad durchs Hinterland
Piper Verlag, München 2015
ISBN 9783492057080
Gebunden, 448 Seiten, 24 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Eva Bonné. Richard Flanagans Held ist Dorrigo Evans, ein begabter Chirurg, dem eine glänzende Zukunft bevorsteht. Als der Zweite Weltkrieg auch Australien erreicht, meldet er sich zum Militär. Doch der Krieg macht keine Unterschiede, und während Dorrigo in einem japanischen Gefangenenlager mit seinen Männern gegen Hunger, Cholera und die Grausamkeit des Lagerleiters kämpft, quält ihn die Erinnerung an die Liebe zu der Frau seines Onkels. Bis er einen Brief erhält, der seinem Leben eine endgültige Wendung gibt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.12.2015

Ein Buch, das unser Leben verändern kann, sieht Jürgen Brocan in Richard Flanagans Roman über den Bau der "Todeseisenbahn" im thailändischen Dschungel durch alliierte Kriegsgefangene. Die ganze Brutalität und das Leiden in einer Welt aus Schlamm und Kot stellt ihm der tasmanische Autor ungeschönt vor Augen. Aber er arbeitet auch mit kühnen Zeitsprüngen und -raffungen, mit Perspektivwechseln und unterschiedlichen Handlungsebenen und zieht eine auktoriale Ordnung ein, wie Brocan erklärt. Vor allem der Umstand, dass Flanagan keine Abziehbilder erschafft, sondern seinen Figuren, auch den brutalsten, die Chance zu Einsicht und Reue einräumt, gefällt Brocan. Das Buch lässt ihn so schnell nicht los, dafür sorgt auch die deutsche Übersetzung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.10.2015

Rezensent Tobias Döring erkennt allzu deutlich die Kinoambitionen des bereits mit dem Booker-Preis ausgezeichneten Romans von Richard Flanagan. Allerdings versucht der Rezensent zunächst, sich auf den Text einzulassen, seinem Ansinnen zu folgen, sich gängigen Verwertungsmustern des angepackten Themas zu entziehen und stattdessen das Schicksal australischer Zwangsarbeiter an der siamesischen "Death Railway" während des Zweiten Weltkriegs zu dokumentieren. Zeitlich und geografisch weit ausschweifend, nimmt ihn der Text in kurzen Episoden mit in die Dschungelhölle oder nach Tokio, berichtet von Folter und Feuer, Männertreue und heißer Liebe. Doch der bekannte Geschichtenarchitekt Flanagan, der laut Rezensent Genrebilder aus Tasmanien ebenso beherrscht wie drastische Amputationsszenen und Dschungeleindrücke à la Conrad, bleibt für Döring doch zu episodisch und sentenziös und am Ende den immergleichen Sinnmustern verhaftet.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.10.2015

Als Markstein einer eigenständigen australischen Literatur bezeichnet Rezensent Ulrich Baron  Richard Flanagans Roman. Oder auch als Gegenstück zu Pierre Boulles Roman "Die Brücke am Kwai". Wie der Autor das Thema australischer Zwangsarbeit beim Bau der "Death Railway" in Siam aus eigenen Recherchen bewältigt, erscheint Baron allerdings als eigenständige Leistung. Die Liebes- und Lebensgeschichte des tasmanischen Chirurgen Dorrigo Evans, der seine Kameraden vor dem japanischen Terror zu schützen versucht, schreibt Flanagan laut Rezensent in naturalistischer Breite und mit kathartischem Effekt in zahlreichen Vor- und Rückblenden und aus verschiedenen Perspektiven.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.10.2015

Einen "Höllenort" wie das japanische Arbeitslager in Birma während des Zweiten Weltkriegs ausführlich zu beschreiben, wie Richard Flanagan dies tut, hätte böse enden können, da ist sich Rezensentin Ursula März sicher. Mögliche Effekte wären nach Ansicht der Rezensentin entweder banaler Grusel oder die frivole Lust am Leid als ästhetischer Selbstzweck gewesen, doch der Autor vermeide in seinem mit dem Booker Prize ausgezeichneten Roman beides. "Formal ehrgeizig" ist das Buch trotzdem, schreibt März und lobt vor allem die Symbolik des Kreises, die sich - wenn auch nach ihrem Geschmack mitunter leicht überstrapaziert - durch den Roman ziehe. "Kreisende Erzählbewegungen" und "konzentrische Muster" würden dem Roman eine Qualität verleihen, die die Kritikerin mit dem Wort "Dignität" benennt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.09.2015

Martin Oehlen liest die Geschichte eines Australiers in japanischer Gefangenschaft mit Beklemmung. Richard Flanagans an die Erlebnisse seines Vaters angelehnter Roman beschreibt mit der Zwangsarbeit beim Bahnbau im burmesischen Dschungel laut Oehlen die Hölle. Verschiedene Zeitebenen und Rückblenden, Täter- und Opferdarstellungen, jede Menge Tragik und Dramatik, vor allem aber die Szenen im Urwald sorgen dafür, dass der Rezensent das Buch nicht so schnell vergisst.