Am Sund angekommen, ahnt die Erzählerin nicht, welche Geheimnisse die Gegend birgt. Während sie auf ihre Geliebte wartet, schwappen nachts seltsame Gesänge von der Insel Lykke über das Wasser ans menschenleere Festland - unheimlich und verheißungsvoll zugleich. Sie beschließt, ihre Recherche um die Rolle ihres Urgroßvaters im Nationalsozialismus ruhen zu lassen, und bricht nach Lykke auf. Doch dort beginnt sich die düstere Geschichte der Insel immer stärker mit ihrer eigenen Familiengeschichte zu verschränken.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.04.2024
Laut Rezensentin Rose-Maria Gropp hat Laura Lichtblau mit ihrem kleinen Roman einen neuen Ton gefunden. Der Text entwickelt einen Sog, dem sich die Rezensentin nicht entziehen kann. Indem die Autorin mit einer atmosphärischen Sommergeschichte aus dem Sund zwischen Dänemark und Schweden beginnt und über ein Recherchevorhaben zu ihrem Urgroßvater zu den Grauen der nationalsozialistischen Eugenik gelangt, verbindet sie laut Gropp raffiniert und ohne dass es künstlich wirkt, Idylle und Katastrophe, Literatur und historische Wahrheit. Als Verbindungsglied zwischen den beiden Welten führt die Autorin die rätselhaft Gestalt des "Balg" ein, eine imaginäre unheimliche Figur, die die verdrängten historischen Gräuel verkörpert - das ist alles so gut gemacht, dass die Rezensentin nur staunen kann.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 20.02.2024
Schwer beeindruckt ist Sarah Elsing davon, was Laura Lichtblau in diesem schmalen Band gelingt. Die Autorin erzählt, lesen wir, von einer jungen Frau, die auf einer dänischen Insel Urlaub machen möchte, aber feststellt, dass die vermeintliche Ostseeidylle zur Zeit des Dritten Reichs ein Ort war, an dem Zwangssterilisierungen stattfanden. Mehr noch: Der Urgroßvater der Erzählerin war, setzt die Rekonstruktion der Handlung fort, ein Befürworter der Zwangssterilisation. Es folgt laut Elsing eine Archivrecherche, die unter anderem Tagebuchaufzeichnungen des Leibarztes Hitlers ins Spiel bringen. Dass außerdem die Queerness der Erzählerin thematisiert wird, macht dieses Buch noch stärker, findet Elsing.
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