Die Welt blickt auf China. Nach langen Jahren der Abwesenheit ist das Reich der Mitte mit Riesenschritten auf die Weltbühne zurückgekehrt. Wirtschaftlich, aber auch politisch ist es in den letzten zwei Jahrzehnten zu einer Großmacht mit unübersehbar wachsendem Selbstbewusstsein und globalen Ambitionen geworden. Den rasanten wirtschaftlichen Fortschritten des Landes stehen jedoch verkrustete politische Strukturen und große gesellschaftliche Probleme gegenüber. Sie machen deutlich, dass das Hochglanz-China der Boom-Towns und der Weltraumraketen und das China des ländlichen Elends und derrechtlosen Bauern in einem bislang ungelösten Spannungsverhältnis zueinander stehen, das durchaus dramatische Züge aufweist. Das Riesenland sieht sich mit gewaltigen Umweltproblemen, einem eskalierenden Reichtumsgefälle, wachsenden sozialen Spannungen und einem gefährlichen politischen Reformstau konfrontiert. Die Widersprüche sind eklatant. Werden sie nicht gelöst, wird das nicht ohne Folgen für den Rest der Welt bleiben.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.05.2007
Urs Schoettli stimmt in seinem Buch über Chinas Entwicklung im 21. Jahrhundert nicht in den Chor der entweder zu euphorischen oder zu pessimistischen Betrachter ein, sondern bewahrt sich einen kühlen Blick, lobt Matthias Messmer das NZZ-Buch seines NZZ-Kollegen Urs Schoettli. Messmer sieht die Vorzüge der Studie vor allem in den Überblicksdarstellungen der wirtschaftlichen und geopolitischen Situation, aus der China-Korrespondent Schoettli die weitere Entwicklung ableitet. Überzeugend scheint dem Rezensenten die Einschätzung Schoettlis, dass China nur geringe Chancen hat, zu einer mit den USA vergleichbaren Weltmacht aufzusteigen. Hier mache der Autor nicht nur historische und politische Gründe verantwortlich, sondern führe mit der nötigen Vorsicht auch "mentalitätsspezifische Probleme" an, so Messmer zustimmend.
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