Robert Nef (Hg.), Gerhard Schwarz

Neidökonomie

Wirtschaftspolitische Aspekte eines Lasters
Cover: Neidökonomie
NZZ libro, Zürich 2000
ISBN 9783858238597
Gebunden, 199 Seiten, 33,23 EUR

Klappentext

Obwohl in der wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung möglichst alles mit rationalen Argumenten begründet wird, ist unverkennbar, welch wichtige Rolle auch hier die Emotionen spielen. Einer dieser versteckten und verdrängten Motoren ist der Neid. Der Sammelband "Neidökonomie" geht der Bedeutung des Neids in Wirtschaft und Wirtschaftspolitik nach. Neben zwei längeren, hier erstmals veröffentlichten Aufsätzen von Erich Weede und Ernst Fehr enthält er eine Auswahl von exemplarischen Texten zum Thema. Sie sind alle mit einer Zusammenfassung in Deutsch und Englisch versehen. Robert Nef und Gerhard Schwarz haben Essays sowie eine Zitatenlese zum Thema Neid beigesteuert. Auch wenn das Buch weder eine eigentliche ökonomische Theorie des Neids entwickelt noch die Frage, ob der Neid den Fortschritt eher voranbringt oder behindert, endgültig beantworten kann, beleuchtet es doch die verschiedensten Aspekte dieses Lasters aus soziologischer, ökonomischer und philosophischer Sicht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.06.2001

"Es gibt kein vergleichbares Buch", findet Gerd Habermann, der spürbar erfreut darüber ist, dass sich die beiden Autoren hier einmal dieses Tabuthemas annehmen. Klar wird seiner Ansicht nach bei der Lektüre, dass Neid eine unvermeidliche Angelegenheit ist, dass er aber auch eine "Gefährdung moderner Massendemokratien" darstellt. Einige Aufsätze dieses Sammelbandes hebt Habermann gesondert hervor, etwa den des hierzulande wenig bekannten Spaniers Gonzalo Fernandez de la Mora, der deutlich aufzeige, dass Gleichheit lediglich vor dem Gesetz möglich sei. Der Autor macht klar, wie Habermann voller Zustimmung betont, dass der Versuch, eine darüber hinausgehende Gleichheit herzustellen, zu einer Ungerechtigkeit führt, etwa durch Zerstörung der Persönlichkeit und der Kreativität, Unterdrückung der "Besten", und letztlich auch zu einer Zerstörung der "Gleichheit vor dem Gesetz". Wenn man sich für das Phänomen des Neides interessiert, so der Rezensent, kommt man an diesem Band "nicht vorbei".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.05.2001

Daniel Brühlmeier versäumt es nicht zu erwähnen, dass einer der beiden Herausgeber, Gerhard Schwarz, gleichzeitig Leiter der NZZ-Wirtschaftsredaktion ist. Insgesamt begrüßt der Rezensent das Erscheinen eines solchen Buchs, da seiner Ansicht nach der "Neid von größter, aber meist tabuisierter Präsenz" ist. Und so bietet das Buch, wie er lobend hervorhebt, nicht nur Klassikertexte, Zitate und Sprichwörter aus verschiedenen Ländern und Zeiten, sondern auch ausführliche Überlegungen dazu, inwiefern Neid schädlich oder auch nützlich für die Gesellschaft und den Fortschritt ist. Nach Brühlmeier wird dabei unter anderem deutlich, dass die Auswirklungen von Neid ganz besonders dann verheerend sind, "wenn er politisiert wird und durch staatlichen Zwang Recht erlangen will". Das heißt für Brühlmeier, dass Gesellschaften, die auf egalitaristische Ideen aufbauen, gleichzeitig den Neid als Nährboden benutzen und ihn sogar zur "sozialen Tugend" erheben, und das, obwohl sie genau das Gegenteil vorgeben.