Beat Kappeler setzt sich seit über 30 Jahren mit sozialer Sicherung, Arbeitswelt und wirtschaftlichen Grosstrends auseinander. Er geht der Frage nach, was wirklich sozial ist. Sicher nicht das Fortschreiben des Sozialstaates alten Stils mit immer mehr Geld. Sondern kluge Anpassungen an die neuen Lebenswelten der Einzelnen, an die neue Arbeitswelt, an den weltweiten Wettbewerb. Die Ideen dazu sind vorhanden, die Modelle in erfolgreichen Ländern schon verwirklicht. Es geht ihm nicht um kleinliche Rechnereien, sondern um die falschen und richtigen Vorstellungen in den Köpfen, die letztlich Milliarden kosten. So spricht er nicht vom Missbrauch, sondern vom Gebrauch gedankenlos angebotener Summen. Das "Immer mehr" soll nicht als sozial hingestellt, sondern es sollen Anreize zum Arbeiten, zum Handeln geschaffen werden. Die Bedürftigen sieht er nicht als Hilflose, sondern als Menschen, die rechnen können und die jährlich zur Hälfte wieder aufsteigen. Diesen Optimismus tragen zahlreiche, konkrete Vorschläge. Befolgt man sie, geht es den Bedürftigen besser, kostet der Sozialstaat weniger, und die Schweiz trimmt sich für die Welt von morgen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.09.2007
Den Ausführungen Beat Kappelers kann Rezensent "hof" weitgehend kopfnickend folgen. Das kritische Buch über die Irrwege des Sozialstaates (nicht nur in der Schweiz) hat ihm Anregungen verschafft, obgleich Kappelers Wortgewalt ihn nicht jederzeit mitzureißen vermochte. Ob es um sinnvolle Sparmaßnahmen oder eine Umverteilung nach Robin-Hood-Manier geht, die angebotenen Lösungsvorschläge findet "hof" nachvollziehbar. Das "schwärmerische" Eintreten des Autors für überkommene Sozialnetze teilt der Rezensent allerdings nicht. Eine rechtsstaatliche Basis für die Sozialhilfe ist ihm deutlich lieber.
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