Ulrike Goeken-Haidl

Der Weg zurück

Die Repatriierung sowjetischer Zwangsarbeiter und Kriegsgefangener während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Dissertation

Klappentext

Die Tatsache, dass rund drei Millionen sowjetische Soldaten bis Ende 1941 in Kriegsgefangenschaft geraten waren, wertete die Sowjetregierung als eine illoyale Einstellung. Das Überleben wurde den Gefangenen als Kollaboration ausgelegt. Deshalb verurteilten militärische Schnellgerichte bereits während des Krieges knapp eine Million Rotarmisten als vermeintliche Verräter, davon 157.000 zum Tode. Die Verdachtshaltung wurde alsbald auch auf sowjetische Zivilisten übertragen. Ein beträchtlicher Teil der Heimkehrer wurde nach Überschreitung der sowjetischen Grenze in eigens für sie geschaffene Lager, Arbeitsbataillone oder sogenannte Sonderansiedlungen mit ihren jeweils spezifischen Lebens- und Arbeitsbedingungen deportiert. Insofern leistet der Band auch einen Beitrag zur GULAG-Geschichte und zeigt darüber hinaus den Wirkungszusammenhang von Denunziation, Misstrauen und der daraus resultierenden Deformation der sowjetischen Gesellschaft auf Mikro- und Makroebene auf.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.04.2007

Zufrieden zeigt sich Hans-Erich Volkmann mit Ulrike Goeken-Haidls Arbeit über die Repatriierung sowjetischer Zwangsarbeiter und Kriegsgefangener in die Sowjetunion in und nach dem Zweiten Weltkrieg. Besonders hebt er die Darstellung der zermürbenden Verhandlungen zwischen den Westallierten und dem östlichen Partner über die Heimführung von Kriegsgefangenen hervor, die auch deswegen heikel waren, weil Stalin Soldaten und Offiziere der Roten Armee, die sich in deutsche Gefangenschaft befanden, und später auch die Zwangsarbeiter(innen), zu Verrätern und Kollaborateuren erklärt hatte. Deutlich wird für ihn, wie die Spannungen in der Repatriierungsfrage zu ersten Rissen im Bündnis gegen Hitler führten. Insofern betrachtet er Goeken-Haidls Untersuchung auch als einen instruktiven Beitrag zum beginnenden Ost-West-Konflikt. Er attestiert der Autorin, die komplexen Verhandlungen transparent zu machen. Störend empfindet er die Überfrachtung der Untersuchung mit vielen Details sowie zahlreiche inhaltliche Wiederholungen. Dennoch lobt er die Studie für ihre "insgesamt imponierende wissenschaftliche und darstellerische Leistung".
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