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Uta Hinz

Gefangen im Großen Krieg

Kriegsgefangenschaft in Deutschland 1914-1921
Cover: Gefangen im Großen Krieg
Klartext Verlag, Essen 2006
ISBN 9783898613521
Gebunden, 392 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Zahllose Soldaten aller kriegsführenden Mächte gerieten im Ersten Weltkrieg in Kriegsgefangenschaft. Allein in den Lagern des Deutschen Reichs befanden sich schließlich über zwei Millionen Kriegsgefangene unterschiedlicher Nationalität. Die Studie von Uta Hinz nimmt sich dieses wissenschaftlich bislang nur wenig beachteten Massenphänomens an, wobei sie sich auf teilweise unbekannte Quellen stürzt. Sie rekonstruiert den Kriegsalltag der Gefangenen und beschreibt die politischen, ökonomischen und kulturellen Dimensionen eines gewaltigen Lagersystems, das sich in Deutschalnd seit 1914 gleichsam aus dem Nichts entwickelte. Bis zum Ersten Weltkrieg war Kreigsgefangenschaft kein kriegsrelevanter Bereich gewesen. Duchr Politik und Propaganda, Kriegsnot und neu definierte Kriegsnotwedigkeiten geriet die Behandlung des gefangenen Kriegsgegners schließlich immer stärker in den Sog einer radikalisierten Kriegsführung. Die Mobilisierung aller gesellschaftlichen Ressourcen, eine damit verbundene Ausdehnung des Kriegsbegriffs über den militärischen Bereich hinaus, erfasste auch die Organisation der Kriegsgefangenschaft. Traditionelle militärische Vorstellungen lösten sich auf, der kriegsgefangene Feind wurde mehr und mehr zum menschlichen Kriegsmaterial degradiert. Die Geschichte der Kriegsgefangenschaft in Deutschland 1914 - 1918 erweist sich somit als wesentliche Etappe auf dem Weg zum totalen Krieg im 20. Jahrhundert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2006

Überzeugend findet Joachim Radkau diese Studie über Kriegsgefangenschaft in Deutschland während des Ersten Weltkriegs, die Uta Hinz vorgelegt hat. Der Autorin gelingt es seines Erachtens, ein differenziertes Bild der Sachlage zu zeichnen. Er bescheinigt Hinz, sich - insbesondere im Blick auf die durchaus konträren Thesen, die es in der Forschung zum Thema gibt - um eine "unvoreingenommene und ausgewogene Klärung" zu bemühen. Als Hauptergebnis der Arbeit hält Radkau die Unterscheidung von drei Phasen der Behandlung von Kriegsgefangenen fest: auf eine chaotische Anfangsphase mit krassen Missständen folgte eine Phase relativer Korrektheit, die ab 1916 im Zuge der Totalisierung des Krieges unter Führung Ludendorffs von einer Phase rücksichtsloser "Ökonomisierung" der Gefangenen abgelöst wurde, wobei es auch der dieser Phase erhebliche Unterschiede im Umgang mit den Kriegsgefangenen gab. Wie Radkau festhält, liegen der Arbeit vor allem württembergische Militärakten sowie Berichte über neutrale Lagerinspektionen zugrunde. Etwas bedauerlich findet er in diesem Zusammenhang, dass Hinz die große Zahl späterer Erfahrungsberichte von Lagerinsassen nur sporadisch benutzt hat.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2006

Volker Ullrich begrüßt diese Untersuchung der Historikerin Uta Hinz, die mit ihrer Forschung zur Behandlung von Kriegsgefangenen im Ersten Weltkrieg eine "Lücke in der Literatur" schließe. Dabei stütze sich Hinz auf die Archive des Stuttgarter Kriegsarchiv und die Akten des Internationalen Roten Kreuzes. 2, 4 Millionen Soldaten und 40.000 Offiziere Offiziere gegnerischer Armeen befanden sich insgesamt in deutscher Kriegsgefangenschaft, zum größten Teil Angehörige der russischen Armee. Wie Ullrich berichtet, war vor allem im ersten Kriegsjahr die Unterbringung katastrophal - das deutsche Militär hatte mit einem schnellen Sieg gerechnet und war auf keinerlei Komplikationen vorbereitet. Doch ab dem zweiten Kriegsjahr veränderte sich die Situation: die Unterbringung besserte sich, allerdings wurden nun die Kriegsgefangenen verstärkt zu Arbeitsdiensten herangezogen, im letzten Kriegsjahr erreichte die Ausbeutung ihren Höhepunkt. "Uta Hinz hat ein wichtiges Buch geschrieben", schließt Ullrich seine Besprechung.
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