Was läuft schief in unserer Debattenkultur? Nicht nur im Wissenschaftsbetrieb ist die freie Meinungsäußerung inzwischen unter Beschuss geraten. Mitten in der Öffentlichkeit zeichnet sich ein Kulturkampf ab, der in den USA bereits seinen Beitrag zur Spaltung der Gesellschaft geleistet hat. Ackermann liefert zahlreiche Beispiele, von unliebsamen Referenten, die kurzfristig ausgeladen wurden, von politischen Akteuren, die sich der Macht des Shitstorms beugen. Die sogenannte Woke Culture betrachtet sie als latente Gefahr für freien Diskurs und die pluralistische Demokratie. Unsere Freiheiten werden von außen und innen bedroht. Deshalb brauchen wir einen neuen antitotalitären Konsens. Ulrike Ackermann möchte mit ihrem Buch den Weg zurück in eine offene Gesellschaft ebnen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.07.2022
Rezensent Thomas Ribi lernt bei Ulrike Ackermann die Abgründe der Woke-Kultur kennen, die längst nicht nur das Klima an amerikanischen Universitäten vergiften. Die "anschaulichen" Beispiele für Redeverbote gegen WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen an deutschen Hochschulen, die die Politikwissenschaftlerin anführt, lassen Ribi die Haare zu Berge stehen. Wie die "Schweigespirale" aus Angst vor rassistischen oder antifeministischen Zuschreibungen vorangetrieben wird und das Arbeiten an den Unis zusehends zum Hindernislauf macht, erläutert Ackermann laut Ribi "minuziös". Die Dogmen der "neuen Moralisten" (Männer sind toxisch!), das erkennt Ribi bei der Lektüre auch, sind alles andere als komplex.
Rezensentin Mladen Gladic liest das Buch der Politikwissenschaftlerin Ulrike Ackermann mit gemischten Gefühlen. Einerseits leuchtet ihm ein, was Ackermann in Anlehnung an Elisabeth Noelle-Neumanns Begriff von der "Schweigespirale" zur Existenz und Dynamik einer "schweigenden Mehrheit" zu sagen hat, die sich von einer politischen und kulturellen Elite mundtot gemacht sieht. Andererseits erscheinen ihm die Schlüsse, die die Autorin aus ihren Beobachtungen zieht, allzu wohlfeil oder polemisch. Aus ihnen eine Opposition Elite versus Volk abzuleiten, findet Gladic, der auf eine genauere Nachzeichnung der Argumente Ackermanns verzichtet, fragwürdig bis populistisch. Wenn Ackermann das Ideal der freien Rede gegen denunziatorische Praktiken in der Identitätspolitik verteidigt, stimmt Gladic zwar zu, Ackermanns eigenen "paternalistischen" Ton aber hört er mit einigem Missmut heraus.
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