"Lieben" ist ein Plädoyer für mehr Gerechtigkeit, denn die Liebe sollte für alle sein. In einer patriarchalen Gesellschaft aber beansprucht die romantische Liebe alle Aspekte dieser Form der Bindung für sich: Begehren, Eifersucht, Intimität, Abhängigkeit, Zärtlichkeit. In ihrem ersten Essay gewährt uns Emilia Roig tiefe Einblicke in die eigene Biografie und revolutioniert dabei unser Verständnis von der Liebe: als eine transformative Energie, die uns nicht nur mit unserer Familie und unseren Freunden, sondern mit allen Menschen, der Natur und dem Kosmos verbindet. Ihr neues Buch ist eine Einladung zu mehr Solidarität, Empathie und Mut.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.12.2024
Undifferenziert und widersprüchlich findet Rezensentin Marianna Lieder das neue Buch der Politikwissenschaftlerin Emilia Roig. Diese habe sich auf die Fahne geschrieben, argumentativ mit den klassischen Paarbeziehungen zu brechen. Doch das Ergebnis überrascht negativ. Polygame Beziehungen seien weniger egoistisch als monogame, lautet eine der Aussagen Roigs, die Lieder symptomatisch für Roigs banale, holzschnittartige und dogmatische Prosa findet. "Recht erwartbar" findet die Rezensentin auch Roigs Kritik am traditionellen Liebesideal, dem "Absolutheits- und Ausschließlichkeitsphrasen" unterstellt werden. Diese "unterkomplexe Aufklärungskritik" sei zudem widersprüchlich, moniert Lieder. Die Geschlechter würden in Frage gestellt, aber an vielen Stellen stoße man auf reproduzierte Stereotype. In diesem Sinne sieht Roig die Veränderung des Welt- und Menschenbildes um 1700 als Durchsetzung männlicher Rationalität gegenüber weiblicher Intuition. Dass schließlich Astrologie und Sternkunde als "Mittel der Selbsterkenntnis" und "Waffe im intersektionalen Kampf um Begriffe" empfohlen werden, hält Lieder für ebenso problematisch und fragwürdig wie den Rest der Argumentation.
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