Klappentext

"Der größte Dichter dieser Zeit ist mit ihm dahin", notierte Arthur Schnitzler wenige Tage nach dem Tod Hugo von Hofmannsthals im Juli 1929 in sein Tagebuch. "Eine Dichtertragödie von unvergleichlicher Intensität" würde Hofmannsthals Lebensgeschichte enthüllen, schrieb Felix Salten und deutete damit auf Spannungen, mit denen sich einer der letzten großen Dichter des untergehenden Europa konfrontiert sah. In diesem Buch gelingt es Ulrich Weinzierl, Hofmannsthal als genialen Dichter und als Menschen sichtbar zu machen, in dem sich die Abgründe des Fin de Siecle spiegeln.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.01.2006

Der Dichter Hugo von Hofmannsthal war kein Freund von Biografien und biografiert werden wollte er deshalb nicht. Tatsächlich gibt es, darüber staunt der Rezensent Oliver Pfohlmann schon ein wenig, bis heute keine umfassende Hofmannsthal- Biografie; auch der Band dieses Autors Ulrich Weinzierl ist das nicht geworden. Was nicht heißt, dass man nicht sehr viel erfährt über das Leben Hofmannsthals - und beileibe nicht nur Erfreuliches. Denn in den drei zentralen Fragen, mit denen sich Weinzierl befasst - dem Snobismus Hofmannsthals, seinem Umgang mit der jüdischen Abstammung und dem Verhältnis zu Freunden. Der Band erweist sich auch als höchst lesenswerte Collage mit Zitaten aus Briefen und Texten von Freunden und solchen, die es dann nicht mehr waren. Wiederholt nämlich hat Hofmannsthal sich wenig menschenfreundlich verhalten, Freunde brüskiert und fröhlich der Heuchelei gefrönt. Dass Weinzierl hier nichts verschweigt, möchte der Rezensent als eine der Stärken des Bandes verstehen, den er offenkundig mit viel Gewinn gelesen hat.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.12.2005

Dem Rezensenten Hans-Albrecht Koch ist das Bemühen anzumerken, Ulrich Weinzierls Skizzen zu Hugo von Hofmannsthal gerecht zu werden. Im Grunde aber, das wird dabei schon deutlich, hat ihn das Buch ziemlich enttäuscht. Keine Frage nämlich, dass Weinzierl einer der größten Kenner von Leben und Werk des Dichters ist. Umso bedauerlicher eben darum, dass er sich - offenkundig mit Absicht - auf die "menschlich, allzumenschlichen Seiten" des Autors konzentriert, ohne je konsequent der Frage nachzugehen, wie sich das Leben und das Werk zueinander verhalten. Halbwegs einleuchtend findet Koch die Fokussierung auf die Themen "Judentum, Adel, Freundschaft" - denn das sind die Dinge, mit denen Hofmannsthal zeitlebens nicht wirklich zu Rande gekommen ist. Aber auch hier spart der Rezensent nicht mit Kritik: "Weinzierls Süffisanz gegen alles und jeden" ist ihm recht unangenehm aufgefallen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.09.2005

Die "Demontage eines Dichters" erblickt Joachim Kaiser in diesem von Ulrich Weinzierl verfassten Porträt Hugo von Hofmannsthals. Dabei unterstellt er dem Autor nicht einmal, er habe die Absicht gehabt, ein Anti-Hofmannsthal-Pamphlet zu verfassen. Doch genau dies ist das Buch dann geworden. Kaiser findet das nicht gäntlich unangemessen, er zeigt sich beeindruckt von der fleißigen Auswertung des reichen, auch entlegenen Quellenmaterials, verweist darauf, dass Weinzierl in mehr als 900 Fußnoten auch Unterschlagungen, Auslassungen, Beschönigungen korrigiert, und lobt die Arbeit als "überwältigend ergiebig". Zudem bescheinigt er Weinzierl "pfiffige Verve", rücksichtslose Frechheit gar. Auch dass Weinzierl ausgiebig, Hofmannsthals Anti-Semitismus, die Taktlosigkeiten seines Snobismus und die Strategie seiner Mogeleien vorführt, fände Kaiser nicht weiter schlimm, wahrte er dabei eine gewisse Balance. Das ist zum Bedauern Kaisers indes nicht der Fall. Er moniert das Vorgehen Weinzierls als einen Fehler, den Literaturkritiker oft begehen: "Dass sie ihren Tadel ausführlich begründen, sich aber beim Lob mit kurzer Akklamation begnügen, - das versehrt auch die Proportionen von Weinzierls Hofmannsthal-Text."
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