Diese allgemeinverständliche philosophische Einführung erklärt, was wir meinen, wenn wir von "Vernunft" sprechen. Sie unterscheidet die Vernunft von anderen intellektuellen Fähigkeiten und erläutert, was wir durch sie und nur durch sie vermögen: richtig und falsch zu unterscheiden. Das Buch zeichnet den Wandel der Vernunftauffassung von der Antike zur Gegenwart, vom Modell einer unfehlbaren zum Modell einer fehlbaren Vernunft nach. Es zeigt, wie trotz der unvermeidlichen Fehlbarkeit der Vernunft empirische und insbesondere moralische Aussagen allgemeinverbindlich sein können. An zahlreichen Beispielen wird deutlich, daß Vernunft, Selbstbewußtsein und Willensfreiheit nicht voneinander zu trennen sind.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.11.2002
Zwischen skeptischer Vernunftaufweichung und einem fundamentalistischen Vernunftanspruch sucht Ulrich Steinvorth nach einer überzeugenden Antwort auf die Frage "Was ist Vernunft?" Wie Rezensent Manfred Geier ausführt, identifiziert Steinvorth in Übereinstimmung mit der philosophischen Tradition, von Sokrates über Kant bis zu Karl Popper und John Rawls, die Vernunft als Rechtfertigungsvermögen. Er erkläre die Vernunft für universal verbindlich und objektiv gegeben, sehe in ihre einen "letzten Richtigkeitsmaßstab", der sich durch keine natürlichen oder kulturellen Besonderheiten verunsichern lasse. Zwar lehnt Steinvorth Varianten der Skepsis, ob nun postmodern, methodenpluralistisch oder kulturrelativistisch begründet, ab, scheut aber zugleich - im Anschluss an Popper die Fehlbarkeit alles Wissens erkennend - vor der dogmatischen Alternative zurück, hält Geier fest. Nichtsdestoweniger wirkt Steinvorths Traditionalismus in Bezug auf die Vernunft angesichts des gegenwärtigen Weltzustands und Moralbewusstseins auf Geier provozierend. Wem prinzipielle Was-ist-Fragen suspekt seien, werde sein Urteil bestätigt finden: "Die Vernunft des Philosophen ist gerade jenes Vermögen, das ein vernünftiger Philosoph als seine Vernunft für ?einzig angemessen' hält", so Geier kritisch. Alle anderen werden in Steinvorths philosophischer Einführung einen "geschickt geknüpften Leitfaden" finden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.11.2002
Gute Frage, die der Autor da stellt, letztgültig beantwortet, meint der Rezensent (Kürzel lx.) hat sie seit Tausenden von Jahren keiner. Der Hamburger Philosophieprofessor Ulrich Steinvorth macht im ersten Teil des Bandes mal wieder den Versuch, sich einer Antwort zu nähern. Es geht in erster Linie, meint er, um ein "Rechtfertigungsvermögen". Im zweiten Teil diskutiert er das Verhältnis von Vernunft und Moral, im dritten bemüht er sich aufzuweisen, dass zwischen dem Beharren auf dem menschlichen Unterscheidungsvermögen zwischen Gut und Böse und neueren naturwissenschaftlichen Erkenntnissen kein Widerspruch besteht.
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