Thomas Metzinger

Der Ego-Tunnel

Vom Mythos des Selbst zur Ethik des Bewusstseins
Cover: Der Ego-Tunnel
Berlin Verlag, Berlin 2009
ISBN 9783827006301
Gebunden, 384 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Thomas Metzinger und Thorsten Schmidt. Wir stellen uns unser Ich oder Selbst als etwas Eigenständiges vor, als einen Kern, den wir schon immer haben oder der wir im Innersten sind. In seinem Buch "Der Ego-Tunnel" zeigt der Philosoph und Bewusstseinsforscher Thomas Metzinger dagegen: Dieses "Selbst" existiert gar nicht. Das bewusst erlebte Ich wird lediglich von unserem Gehirn erzeugt, und was wir wahrnehmen, ist nichts als "ein virtuelles Selbst in einer virtuellen Realität". Zum Beleg liefert Metzinger eine Vielzahl von Beispielen und Beobachtungen aus den Neuro- und Kognitionswissenschaften. So haben manche Menschen, denen von Geburt an ein Arm oder ein Bein fehlt, oft dennoch die Empfindung, diese Gliedmaßen tatsächlich zu besitzen. Wenn es stimmt, dass unser erlebtes Ichgefühl eine Schöpfung unserer Hirnfunktionen ist und dass sich unsere subjektive Wirklichkeit bald immer genauer manipulieren lässt, dann wirft dies ernste und drängende Fragen auf: Gibt es überhaupt so etwas wie eine Seele und einen freien Willen? In welchem Sinne können wir als rationale und moralisch verantwortlich handelnde Subjekte gelten? Werden auch Roboter bald Selbstbewusstsein besitzen? Und: Was sind eigentlich gute und erstrebenswerte Bewusstseinszustände?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.01.2010

Wenig freundlich äußert sich Rezensent Uwe Justus Wenzel über Thomas Metzingers "neue Philosophie des Selbst". Keinen Hehl macht er aus seiner Skepsis gegenüber dem harten neuropsychologischen Naturalismus des Autors. Metzinger hält das "Ich", das "Selbst" für eine Illusion. Das ist eine These, der Wenzel nicht folgen mag, ob sie nun von Philosophen oder von Neurowissenschaftlern vorgetragen wird. Eingehend setzt er sich mit den Widrigkeiten einer naturalistischen Theorie des Geistes, wie sie Metzinger vertritt, auseinander und legt dar, dass eine solche Theorie ihrerseits unbeweisbar ist. Und auch das Plädoyer des Autors für Spiritualität, die das "Vakuum" des Menschen ohne Selbst wieder füllen könnte, überzeugt ihn nicht wirklich: Sie erinnert ihn "ein wenig an jene Sentimentalität, die sich gerne mit Brutalität paart".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.01.2010

Als bereicherndes Erlebnis beschreibt Hanna Leitgeb die Lektüre dieses Buchs zur modernen Bewusstseinsforschung. Thomas Metzinger nämlich gelingt es aus ihrer Sicht, darin auch "für Laien höchst plastisch" die neuesten Ergebnisse seiner Forschung darzulegen, denen zufolge unser Bewusstsein aus einem komplexen Zusammenspiel von Nervenzellen entsteht. Und zwar ebenso spannend wie unterhaltsam. Mit großer Faszination zeichnet die Kritikerin in Grundzügen die im Buch entwickelte Bewusstseinstheorie nach und erfreut sich auch an den Gedankenspielen, mit denen Metzinger das christlich-jüdische Menschenbild zu revolutionieren sucht. Gestört hat sie nur, dass Metzinger immer wieder in die "Pose eines neoromantischen Bilderstürmers" verfällt, der anderen mitunter gar die intellektuelle Redlichkeit abspricht, und dabei selbst nicht ganz widerspruchsfrei argumentiert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.10.2009

Wer sich selbst und die Welt besser verstehen möchte (wer wollte das nicht?), der soll dieses Buch lesen und sich nicht von den darin verhandelten komplizierten Sachverhalten oder den Wortungetümen des Autors abschrecken lassen, schreibt reichlich beglückt Martin Urban in seiner Rezension. Urban findet es höchste Zeit, zu begreifen, was in der Hirnforschung geschieht, dass sich nämlich, durch die Erkenntnisse in den Labors, das Wissen des Menschen über sich selbst revolutionär verändert. Für den Rezensenten ist es ein Segen, dass der Philosoph Thomas Metzinger sich der Sache annimmt und die Konsequenzen bedenkt. Seine eigenen "Out-of-Body"-Erlebnisse, meint Urban, kommen dem Autor gut zupass, um das duale Selbstbild des Menschen als innere, mit der Wirklichkeit nicht deckungsgleiche Angelegenheit zu erweisen. Starker Tobak. Doch wenn Metzinger von hier aus dazu übergeht, der ins Stocken geratenen Aufklärung Anschub zu leisten (Wissen, nicht Glauben!), und er die ethischen Konsequenzen zum Beispiel von Künstlicher Intelligenz zu bedenken gibt, fühlt sich das für Urban klug und gewichtig an.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2009

Zu den Fragen, die Thomas Metzinger als Philosoph des Bewusstseins stellt, gehört zentral die nach dem neuronalen Korrelat des Bewusstseins. Aber auch eine Frage wie diese: "Weshalb gibt es immer jemanden, der das Erlebnis hat?" Die Antwort darauf fällt kompliziert aus, im Kern aber lässt sich wohl sagen, dass unser Selbst für Metzinger nicht mehr als die Simulation ist, die das neuronale Geschehen auf die Bühne bringt - aber so, dass wir uns und die Welt um uns "direkt" wahrzunehmen scheinen. Heraus kommt für Metzinger, dass "wir eigentlich gar kein Selbst haben" - das allerdings ist nach Ansicht des Rezensenten Helmut Mayer eine These, von der überhaupt einmal erst geklärt werden müsste, was sie sagt. Eine der Konsequenzen, die der Philosoph aus seiner Forschung zieht, lautet: Freigabe psychoaktiver Substanzen da, wo sie keinen gesundheitlichen Schaden hervorrufen. Also auch: Ja zum Bewusstseins-Selbst-Management (inklusive angeschlossener Ethik). Etwas großspurig findet Mayer das alles. Dass er es nicht ernst nimmt, wird man wohl dennoch nicht sagen können.