Harry G. Frankfurt

Gründe der Liebe

Cover: Gründe der Liebe
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783518584262
Broschiert, 108 Seiten, 14,80 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Martin Hartmann. Harry G. Frankfurt gehört zu den wichtigsten Philosophen der Gegenwart und hat mit seinen Arbeiten zur Willensfreiheit und insbesondere zu Problemen der Moralphilosophie die philosophischen Debatten der vergangenen Jahrzehnte maßgeblich mitbestimmt. Ausgehend von der Frage "Wie sollen wir leben?", nähert er sich in seinem neuen Buch auf luzide Weise einer Kategorie, die, wie er selbst sagt, "auf berüchtigte Weise schwer zu erhellen ist": der Liebe.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.06.2005

"Die Liebe", weiß Gustav Falke nüchtern auf den Punkt zu bringen, "ist weder affektuell noch kognitiv, sondern volitional bestimmt". So zumindest stellt es sich ihm nach der Lektüre von Harry G. Frankfurts Buch "Gründe der Liebe" dar, dessen Grundgedanken er alle nicht ganz falsch findet, aber auch nicht überzeugend, eher "etwas lose dahergeredet". Gar nicht einverstanden ist er mit Frankfurts biologistischer Anlehnung an Heidegger, dass - genetisch vorgegebene - Sorge unserem sonst langweiligen Leben einen Sinn gebe. Gar nicht einverstanden ist damit, dass Frankfurt die rationale universalistische Moral zur Schimäre erklärt. Zwar führt Falke selbst Fichtes berechtigten Einwand gegen Kant an ("Noch so große Vernünftigkeit lässt die Frage übrig, warum ich vernünftig sein wollen sollte). Aber er sieht Frankfurt ins Extrem verfallen, indem er die Liebe jeden Inhalts beraubt und sie nur als "Struktur, Form, Existenzial" gelten lassen will. So kontert Falke Frankfurts berühmten Satz "Ich liebte meine Tante, auch wenn ich sie nicht mochte", mit dem hübschen Satz: "Von jemandem, der etwas liebt, was er rundherum für wertlos hält, werden wir schlicht vermuten, dass er eine Macke hat. Aber schließlich gesteht Frankfurt doch eine "einfache, richtige und wichtige Einsicht zu: Dass erst die Sorge, die Liebe, "der Welt ihre Wichtigkeit" verleiht.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.05.2005

Als "scharfsinniger Denker" und "gewandter Stilist" habe sich der in Princeton lehrende Philosoph Harry Frankfurt einmal mehr erwiesen, bemerkt Barbara Bleisch. Dessen schmaler Band "Die Gründe der Liebe", der im vergangenen Jahr auf Englisch erschien und nun in deutscher Übersetzung vorliegt, enthalte in den ersten beiden Kapiteln zwar Überlegungen, die Frankfurt-Kennern nicht unbedingt neu vorkommen werden, gelange aber im letzten Abschnitt zu "erstaunlichen" Erkenntnissen: "Die wichtigste Frage, die wir uns stellen können, sei nicht die Frage, wie wir leben sollen, sondern die empirische Frage, woran einem aufrichtig und langfristig liege. In der Antwort auf diese Frage liege der Schlüssel zum geglückten Dasein", wie die Rezensentin zusammenfasst. Verhaltene Kritik übt Bleisch allerdings an einigen Definitionen Frankfurts. So nennt sie etwa die Darstellung von Selbstliebe als "höchste Form der Liebe" ein "Wagnis". Die Unschärfe anderer zentraler Begrifflichkeiten lastet sie dem Übersetzer Martin Hartmann an, der beispielsweise Frankfurts Schlüsselbegriff der "wholeheartedness" aus ihr unerfindlichen Gründen mit "Entschlossenheit" wiedergegeben habe. Die kleinen Makel können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Rezensentin Frankfurts "Gründe der Liebe" mit großem Interesse und Erkenntnisgewinn durchmessen hat.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.05.2005

Unter mehreren Neuerscheinungen zum Thema Liebe und Geschlechtlichkeit ist Harry G. Frankfurts Buch eindeutig das "kultivierteste", urteilt Wilhelm Trapp. Der amerikanische Philosoph erklärt die von allem Zweckdenken freie Zuneigung zur einzig wahren Form der Liebe. Die liebende Sorge um den Partner helfe, dem eigenen Leben ohne egoistische Motive einen Sinn zu verleihen. Dass diese Argumente nicht mehr als eine "aktualisierte Neuauflage" von Aristoteles, Christentum und Kant seien, gibt der Rezensent unbekümmert zu. Aber "eben auch nicht weniger". Frankfurts Versuch besteche durch "klare Argumente", die mit einer "lebensnahen Reflexionsbasis" unterfüttert werden. Der erotischen Anziehung hätte Trapp allerdings mehr Wert beigemessen, weshalb Frankfurts Liebesbegriff ihm etwas "blutleer" erscheint. Gut gefällt ihm im Vergleich zu den anderen Besprechungen wiederum, dass Frankfurt unter Berücksichtigung des freien Willens darauf verzichtet, aus naturwissenschaftlichen Erkenntnissen Regeln für das menschliche Zusammenleben abzuleiten.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.03.2005

Harry Frankfurts Überlegungen über die Liebe erscheinen Andreas Kuhlmann zwar "unzeitgemäß", er hält sie aber für "alles andere als belanglos". Ausführlich zeichnet Kuhlmann in seiner Besprechung die im Detail schwierige Argumentationen des amerikanischen Philosophen nach. Frankfurt verstehe die Liebe nicht als Passion, sondern als eine Form des "Sich-Sorgens", die uns darüber Auskunft gibt, was wichtig ist im Leben, als eine Triebkraft des Willens, die unserem Leben Bedeutung und Profil verleiht. Kuhlmann hebt hervor, dass bei Frankfurt kaum von der Befriedigung, der Freude und der Begeisterung die Rede ist, die gemeinhin mit dem Gefühl der Liebe verbunden ist. Stattdessen interessiere sich Frankfurt für ihre Funktion im Gesamthaushalt unserer Lebensführung. Dabei rücke die Liebe in den Mittelpunkt seiner Reflexionen, weil wir uns ihr nicht entziehen können. Sie fungiere als eine Art Leitinstanz unseres Willens, indem sie darüber bestimme, welchem unserer vielfältigen Wünsche wir nachgeben. Wer seinen Partner wirklich liebe, werde nach Frankfurt niemals auch nur in die Versuchung kommen, sich auf ein flüchtiges erotisches Abenteuer einzulassen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.03.2005

Eigentlich komme Harry Frankfurts Abhandlung "Gründe der Liebe" "gerade recht", meint Thorsten Jantschek, um Ordnung in das "Chaos der Liebe" zu bringen, mit dem sich der Mensch so durchs Leben schlägt. Zu seinem "Entsetzen" muss er aber feststellen, dass der Autor zuallererst die "Elternliebe" im Blick hat, wenn er nach den Bedingungen der Liebe fragt, und zudem die Kategorie der selbstlosen "Sorge" zugrunde legt, die "wahre" Liebe auszeichnen soll. Die "sexuelle oder romantische" Liebe dagegen bietet für Frankfurt keine "authentischen Paradigmen" für seinen Liebesbegriff und damit hat er die Sympathie des Rezensenten eigentlich schon verspielt, der, wie er betont, sich vor allem für diese Art von Liebe interessiert. Wenn Jantschek dann noch lesen muss, dass "Ambivalenz" das Leben "verdüstert", ist es vollends aus mit seiner Bereitschaft, dem Autor in seiner Argumentation zu folgen, denn für ihn gehören gemischte Gefühle zum Leben und zur Liebe einfach dazu.
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